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Katholische Bischöfe : Maßnahmenpaket gegen Missbrauch beschlossen

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Auf der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda haben die Bischöfe ein Maßnahmenpaket gegen Missbrauch beschlossen. Bild: dpa

Künftig soll es unabhängige Anlaufstellen für Opfer von sexuellem Missbrauch geben, heißt es in einer Erklärung der deutschen Bischöfe. Kardinal Marx fordert derweil tabulose Aufklärung.

          Die katholische Kirche will den Missbrauchsskandal nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie ohne Tabus aufarbeiten. „Es darf keine Tabuthemen geben“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zum Abschluss der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe am Donnerstag in Fulda. Die Studie von Forschern der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen war dort am Dienstag vorgestellt worden.

          Kardinal Marx unterstrich, er habe „wirklich den Eindruck“, die Bischöfe seien mit „großer Ernsthaftigkeit und persönlicher Betroffenheit“ das Ergebnis der Studie durchgegangen. Die Empfehlungen der beteiligten wissenschaftlichen Institute seien Grundlage für die weiteren Schritte zur Aufarbeitung.

          Zölibat und Sexualmoral sollen hinterfragt werden

          Die 66 in Fulda vertretenen deutschen Bischöfe hatten zuvor konkrete Maßnahmen beschlossen, um den Missbrauch in der katholischen Kirche zu bekämpfen. In einer am Donnerstag in Fulda verbreiteten Erklärung kündigten sie unter anderem einen „transparenten Gesprächsprozess“ mit Fachmännern über den Zölibat und die Sexualmoral der Kirche an. Auch soll neu über die Zahlung von Anerkennungsleistungen an Opfer beraten werden. Zusätzlich wollen die Bischöfe externe und unabhängige Anlaufstellen zu Fragen sexuellen Missbrauchs einrichten.

          Die Bischöfe betonen zudem, es sollten Standardverfahren zur Führung der Personalakten von Klerikern entwickelt werden. Auch sollten überdiözesane Kontrollverfahren für den Umgang mit Missbrauch und die Vorbeugung eingeführt werden.

          Auch die von Kardinal Marx geforderte Aufarbeitung wurde in der Erklärung thematisiert. „Ohne eine unabhängige Aufarbeitung gibt es keine wirksame Veränderung und Gerechtigkeit“, heißt es dort. „Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus Verantwortung institutioneller Art für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat.“

          Die MHG-Studie ist der bisher am weitesten reichende Versuch einer Bischofskonferenz, Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufzuklären. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatten die Forscher Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Fachmänner gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind.

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