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Bischof Walter Mixa : Provokateur mit wenig Geschick

Walter Mixa Bild: ddp

Von dem verstorbenen Fuldaer Bischof Dyba hat der Augsburger Bischof Walter Mixa die Rolle des Lieblingsgegners des juste milieu in Medien und Politik übernommen. Es fehlt ihm aber dessen intellektuelle Brillanz.

          Charmant, leutselig und trinkfest – in der Person des Augsburger Bischofs Walter Mixa hat der im Juli 2000 verstorbene Militärbischof Dyba schon vor zehn Jahren einen kongenialen Nachfolger gefunden. Mittlerweile steht der gebürtige Oberschlesier Mixa auch als streitbarstes Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz dem Fuldaer Erzbischof Dyba nicht mehr nach.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          2007 zieh er die Pläne der damaligen Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU), die Zahl der Krippenplätze in der Bundesrepublik bis zum Jahr 2013 zu vervielfachen als „kinderfeindlich und ideologisch verblendet“. Das Wort von den Frauen, die zu „Gebärmaschinen“ degradiert würden, geht dem Bischof bis heute nach. Nicht anders ist es mit einer Äußerung über den Zusammenhang zwischen der Sexualisierung der Gesellschaft sowie der Medien und dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger: Die „sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde“, sei an dem weit verbreiteten Übel Kindesmissbrauch „sicher nicht unschuldig“, äußerte der Bischof Mitte Februar.

          Vom Angreifer zum Verteidiger

          Indes ist Mixa schon seit Wochen nicht mehr in der Rolle des Angreifers zu sehen. Nicht ganz freiwillig ist er zum Verteidiger geworden. Seit die „Süddeutsche Zeitung“ vorgibt, ihr lägen eidesstattliche Erklärungen mehrerer Personen vor, Mixa sei als Stadtpfarrer von Schrobenhausen zwischen 1975 und 1996 in einem von Schwestern geleiteten Kinderheim ihnen gegenüber wiederholt gewalttätig geworden, sieht sich Mixa als erster Bischof in Deutschland Verdächtigungen ausgesetzt, die mittlerweile in einem Atemzug mit sexuellen Übergriffen auf Kinder und Schutzbefohlene als Missbrauch bezeichnet werden – doch das nach Mixas Worten vollkommen zu Unrecht. „Gewalt zwischen Menschen lehne ich grundsätzlich ab“, bekundete der Militärbischof zu Ostern in der Zeitung „Bild am Sonntag“.

          Einige Ungereimtheiten hat der Bischof schon eingestanden

          Andere Vorhaltungen hat der Bischof inzwischen eingestanden: Als Stadtpfarrer von Schrobenhausen hatte Mixa den Vorsitz des Stiftungsrates jener örtlichen Waisenhausstiftung inne, in deren Einrichtungen es nicht nur zu den Züchtigungen der Kinder gekommen, sondern in deren Buchführung es in den fraglichen Jahren zu finanziellen Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll – mutmaßlich im Zusammenhang mit dem Ankauf von Möbeln und Antiquitäten, die ihren Platz in kirchlichen Räumlichkeiten fanden. Im Jahr 2000 – so ließ Mixa am Montag verbreiten – seien die meisten Gegenstände nach Eichstätte gebracht und alle finanziellen Angelegenheiten zwischen ihm und der Waisenhausstiftung geregelt worden: „Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester. Dabei kann es schon sein, dass ich mich nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert habe“, hieß es in Augsburg.

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