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Bischof Tebartz-van Elst : „Er ist entweder ein Betrüger oder krank“

  • Aktualisiert am

Bischof Tebartz-van Elst im Innenhof vor der Kapelle (links) des Bischofshauses Bild: dpa

Im Bistum Limburg wird die Kritik an Bischof Tebartz-van Elst immer lauter. Im Gespräch mit der F.A.Z. hat Jochen Riebel, Mitglied im Vermögensverwaltungsrat, seine Vorwürfe nochmals verschärft.

          Der Priesterrat in Limburg befürwortet den Rücktritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Sprecher des Priesterrates, Reinhold Kalteier, sagte am Dienstag im Hessischen Rundfunk: „Den Rücktritt zu fordern, das ist Sache des Papstes. Ich persönlich wüsste, was ich zu tun habe.“

          Zuvor war bekanntgeworden, dass sich die Kosten für die Errichtung des Bischofshauses auf dem Limburger Domberg auf mindestens 31 Millionen Euro belaufen – das ist mehr als das Fünfzehnfache des ursprünglich vorgesehenen Betrags. Aus welchen Quellen das Geld stammt, ist bislang nicht bekannt. Wie das Bistum Limburg bekannt gegeben hatte, sei diese Summe das Ergebnis einer „verwaltungsinternen Kostenrechnung“, die zuvor von dem Vermögensverwaltungsrat des sogenannten Bischöflichen Stuhls „festgestellt“ worden sei.

          Der Vermögensverwaltungsrat, der im Jahr 2010 von Bischof Tebartz-van Elst und dem Generalvikar Kaspar ins Leben gerufen worden war, um das Finanzgebaren des Bischöflichen Stuhles zu überwachen, wollte sich gleichfalls zu dem Sachverhalt äußern. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung untersagte Bischof Tebartz-van Elst am Montag jedoch die Veröffentlichung einer entsprechenden Erklärung.

          In der F.A.Z. ließen sich die drei Mitglieder des Rates, darunter der vormalige Chef der hessischen Staatskanzlei Riebel (CDU) und der Vorstandsprecher der in Köln ansässigen Josefs-Gesellschaft, einem der bundesweit größten kirchlichen Träger von Sozialeinrichtungen, daraufhin mit den Worten zitieren, sie seien  „durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt worden“. Riebel sagte der F.A.Z. am Dienstagabend über das Verhalten des Bischofs: „Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist.“

          Auf die Frage nach den Konsequenzen, die der Bischof ziehen solle, sagte der frühere Politiker, das müssten der Bischof und der Heilige Vater in Rom entscheiden. „Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar.“

          Quadratmeterpreis 10.000 Euro

          Riebel sagte, der Bischof habe das Gremium nicht rechtzeitig und nicht umfassend genug über die Kosten für den Neubau des Diözesanzentrums informiert. Er bezifferte den Quadratmeterpreis für den Bau des Zentrums neben dem Limburger Dom auf 10.000 Euro. Dies entspreche den Kosten für einen derzeitig hochwertigst denkbaren Neubau in Deutschland, nämlich einen modernen Operationssaal samt Gerätschaften. Den Mitgliedern des Verwaltungsrates seien die Gesamtkosten des Bauvorhabens bis Montag nicht bekannt gewesen. „In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass gemäß des Statuts des Bischöflichen Stuhles zu Limburg weder Haushaltspläne für die Jahre 2012 und 2013 vorlegt noch dass entsprechende Einzelpläne vorgelegt worden sind.“

          Am Dienstagvormittag sagte der Bischof einen öffentlichen Termin in Wiesbaden ab. Er hätte eigentlich am Dienstagnachmittag in der hessischen Landeszentrale für politische Bildung Bücher über die beiden gegensätzlichen Päpste Benedikt XVI. und Franziskus vorstellen sollen. Das Bistum habe darum gebeten, den Termin zu verschieben, sagte eine Mitarbeiterin der Landeszentrale der Nachrichtenagentur dpa.

          Das Bistum wiederum kündigte an, alle zur Verfügung stehenden Unterlagen würden nun jener Prüfungskommission zugeleitet, die Bischof Tebartz-van Elst gemäß einer Vereinbarung mit dem jüngst von Papst Franziskus entsandten Kardinal Giovanni Lajolo bei der Deutschen Bischofskonferenz beantragt habe. Diese Kommission werde die Einzelprojekte der Baumaßnahme hinsichtlich der Kosten und der Finanzierung überprüfen. Das Ergebnis werde dem Bischof und der Öffentlichkeit vorgelegt. „Wir warten ab, was der Prüfbericht ergibt“, sagte Martin Wind, kommissarischer Leiter der Bistumspressestelle am Dienstag.

          Zu Rücktrittsforderungen an den Bischof äußerte sich Sprecher Wind nicht. Er verwies aber darauf, dass der Bischof der geistliche Leiter des Bistums sei. Für Verwaltungsfragen seien andere zuständig, so Generalvikar Franz Kaspar, der bald ausscheiden soll.

          Zollitsch mit „kollegialer Solidarität“

          Auf Anfrage der F.A.Z. sagte der Sprecher der Bischofskonferenz am Dienstag, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, habe die Kommission inzwischen eingerichtet. Sie werde in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. Wer der Kommission angehört, wollte der Sprecher nicht mitteilen. Über die Namen der Mitglieder sei Stillschweigen vereinbart worden. Zollitsch selbst war zu einer Stellungnahme nicht bereit. In der vorvergangenen Woche hatte der Freiburger Erzbischof dem Limburger Bischofs Tebartz-van Elst seine „kollegiale Solidarität“ versichert.

          Am 29. Juni hatte die Pressestelle des Bistums Limburg bekannt gegeben, die Kosten für den Bau des „Diözesanes Zentrum St. Nikolaus“ genannten Bischofshauses beliefen sich auf 9,85 Millionen Euro. Ursprünglich sollte das Bauvorhaben auf dem Limburger Domberg zwei Millionen Euro in Anspruch nehmen. Nach dem Baubeginn im Jahr 2010 war der Kostenrahmen unter Hinweis auf die historische Bausubstanz auf gut fünf Millionen Euro erweitert worden.

          Die Behauptung, der Neubau habe alles in allem 9,85 Millionen Euro verschlungen, stellte sich aber schon drei Tage später als Lüge heraus. Am 1. Juli hieß es seitens des Bistums, der Betrag umfasse nur die Kosten für die Sanierung der vorhandenen Immobilien, also der Vikarie, des Küsterhauses und der Stadtmauer. Was auf die Errichtung der zahlreichen Neubauten von der Kapelle über die Bischofswohnung, die Empfangs- und Sitzungsräume bis zu den Außenanlagen entfalle, sei noch nicht beziffert. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass die Gesamtkosten „wesentlich höher“ ausfielen. Nach der Mitteilung des Bistums von vergangenem Montag entspricht diese Formulierung dem Betrag von 22 Millionen Euro.

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