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Bischof Mixas Rücktritt : Auf verlorenem Posten

Bild: reuters

Nun hat es auch Walter Mixa selbst eingesehen: Der Rücktritt ist unvermeidlich. Denn nach den „Watsch'n“ und „unklaren finanztechnischen Zuordnungen“ hätte ihn bald seine ganze Vergangenheit eingeholt.

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          Papst Benedikt XVI. stand vor einer schwierigen Entscheidung. Wenige Wochen nach seiner Wahl musste der deutsche Papst im Sommer 2005 einen Bischof für eine deutsche, ja eine bayerische Diözese ernennen: Augsburg. Die Wahl fiel auf Walter Mixa, seit 1970 Priester der Diözese Augsburg, seit 1996 Bischof von Eichstätt und Großkanzler der dortigen Katholischen Universität, seit 2000 Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Das Echo auf den Wechsel Mixas von der Altmühl an den Lech war verhalten. Einerseits kam die Ernennung zum Bischof der mit 1,5 Millionen Katholiken zweitgrößten Diözese in Bayern einer Beförderung gleich. Anderseits wurde galt die Wahl des Papstes als Vorentscheidung für die Nachfolge von Kardinal Wetter in München. Für dieses Amt schien Mixa aus dem Rennen.

          Nur mit dieser Absicht hatten unterschiedliche Kräfte in der Kirche in Deutschland und in Rom auf den Papst eingewirkt, sich für Mixa zu entscheiden. Der hinhaltende Widerstand eines großen Teils des höheren Klerus des Bistum Augsburg gegen einen der Ihren fruchtete nichts. Die Versetzung Mixas war einer Art höherer Kirchenraison geschuldet. Doch wie konnte der Eichstätter Bischof Mixa sich ernsthaft Hoffnung auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising machen? Und warum wehrten sich die Augsburger im Jahr 2006 so vehement gegen die Berufung Mixas, wie sie es schon 1993 getan hatten?

          Bischof Mixa kniet beim Betreten des Augsburger Doms nieder

          Schon 1993 wehrte sich der Augsburger Klerus gegen Mixas Benennung

          Damals wurde ein Nachfolger für Bischof Stimpfle gesucht. Einer war sicher, dass er es werden müsse: der Schrobenhausener Stadtpfarrer Dr. Walter Mixa. Fast zwanzig Jahre hatte der hochgewachsene, aus Oberschlesien gebürtige Mann als Seelsorger in der 15.000-Seelen-Stadt gelebt und sich als leutseliger, kerniger und lebensfroher Mann einen Namen gemacht. Sein Vorbild strahlte auf andere aus. Immer häufiger stellten sich junge Männer aus Mixas Pfarrei im Augsburger Priesterseminar vor. So etwas macht Eindruck.

          Von körperlichen Züchtigungen von Kindern war damals nicht die Rede, von finanziellen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Katholischen Waisenhausstiftung auch nicht. Alles andere – Alkohol, „Hasi“ (für den Geschäftsführer der Waisenhausstiftung) und „Monsi“ (für Monsignore Mixa) – schien üble Nachrede, vor der kein Mann vom Format eines Walter Mixa gefeit ist.

          Gleichwohl setzte 1993 der Augsburger Klerus in seiner Mehrzahl alles daran, Mixa als Bischof zu verhindern. Das gelang. Papst Johannes Paul II. ernannte an seiner Statt den Benediktiner Viktor Josef Dammertz. Doch was immer man in Rom gegen Mixa vorgebracht haben wollte, es wog nicht so schwer, dass es drei Jahre später der Ernennung Mixas zum Bischof von Eichstätt im Wege gestanden hätte. Und was immer in Eichstätt geschah, es wog nicht so schwer, dass Walter Mixa nicht im Jahr 2000 als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Erzbischofs Dyba zum Katholischen Militärbischof und fünf Jahre später doch noch zum Bischof von Augsburg hätte ernannt werden können.

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