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„Bildungsmonitor“ : Sachsens Bildungssystem an der Spitze

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Neuer Bildungsmonitor: Sachsen hat das beste Bildungssystem in Deutschland.
          3 Min.

          Sachsen hat das bildungsökonomisch leistungsfähigste Schulsystem der Bundesländer. Das hat der sogenannte Bildungsmonitor 2010 des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ergeben, der den Beitrag von Bildung zu einem größeren Wirtschaftswachstum misst.

          Mehr als hundert Indikatoren wie die relativen Bildungsausgaben für die verschiedenen Bereiche, die Betreuungsrelationen, die Förderinfrastruktur, aber auch Leistungsergebnisse aus internationalen Vergleichsstudien wie Pisa und Iglu, die Integrationsleistung, die Arbeitsmarktorientierung, die Zeiteffizienz, sowie die berufliche Bildung und Akademisierung werden bei dieser wirtschaftlich orientierten Studie berücksichtigt.

          Sachsen und Thüringen an der Spitze

          Sachsen und Thüringen liegen an der Spitze der Rangliste, weil sie vor allem in den Mint-Fächern - also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - viel geleistet haben. Außerdem ist es beiden Ländern zumindest im Jahre 2008 - welches Grundlage der Datenerhebung war - gelungen, die durch gesunkene Schülerzahlen freigewordenen Mittel im Bildungssystem zu belassen und damit pro Kopf mehr Geld in Bildung zu investieren. Entscheidend sei, wie viel Geld direkt bei den Schülern ankomme, bekräftigen die Wirtschaftsvertreter bei der Vorstellung des Bildungsmonitors am Donnerstag in Berlin und empfahlen den westdeutschen Ländern, bei der Umverteilung vom Osten zu lernen.

          Sachsen hat das bildungsökonomisch leistungsfähigste Schulsystem der Bundesländer.
          Sachsen hat das bildungsökonomisch leistungsfähigste Schulsystem der Bundesländer. : Bild: ddp

          Die für den Bildungsmonitor Verantwortlichen wenden sich gegen eine starre Vorgabe wie das Ziel, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung auszugeben. Wenn die Länder es schafften, durch sinkende Schülerzahlen frei werdende Mittel nicht dem Bildungssystem zu entziehen, sondern in das Schulwesen zu reinvestieren, könnten sie die Bildungsausgaben pro Kopf trotz der Haushaltskonsolidierung steigern, hieß es in Berlin. Im Jahre 2020 könnte den Bundesländern damit ein Umverteilungsvolumen von insgesamt 8,8 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, wenn die Bildungsausgaben real auf dem Stand des Jahres 2007 eingefroren werden.

          Die seit zehn Jahren kontinuierlich gestiegene Hochschulabsolventenquote habe dazu geführt, dass es heute über 300.000 zusätzliche Akademiker in Deutschland gebe, was eine Wertschöpfung von mehr als 4,8 Milliarden Euro für die deutsche Volkswirtschaft bedeute. Das Bruttoinlandsprodukt werde langfristig um fast 0,3 Prozentpunkte steigen, wenn diese Verbesserungen bestehen bleiben. Die Akademisierung der Bevölkerung - die Studienanfängerzahl ist auf 43 Prozent gestiegen, die Abbrecherquote insgesamt gesunken - komme auch dem Bund in Form von Steuern wieder zugute. Daher sei ein Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern überflüssig und kontraproduktiv, sagten die Wirtschaftsvertreter.

          Sachsen-Anhalt und Bremen haben erhebliche Verbesserungen erreicht

          Bei der Akademisierung haben auch Sachsen-Anhalt (7. Platz) und Bremen (5. Platz) erhebliche Verbesserungen erreicht. Die letzten sechs Plätze bei der bildungsökonomischen Rangfolge belegen Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin als Schlusslicht. In Berlin erreicht ein großer Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards beim Lesen und die nötige Ausbildungsreife, vor allem unter ausländischen Jugendlichen ist die Schulabbrecherquote hoch. Auffällig ist zudem Berlins Schwäche bei der beruflichen Bildung.

          Zwar gibt es in der Hauptstadt auch relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze, gleichzeitig gehört jedoch die Erfolgsquote bei den Abschlussprüfungen der dualen Ausbildung zu den niedrigsten in Deutschland. Baden-Württemberg, das auf dem dritten Platz liegt, gelingt es nach Angaben des Bildungsmonitors besonders gut, Jugendlichen einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu bieten.

          Gute Bildung sei weniger eine Systemfrage, sagten die Auftraggeber des Bildungsmonitors in Berlin. Vielmehr seien Qualitätsfaktoren wie individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie die Aus- und Weiterbildung von Erziehern und Lehrkräften von Bedeutung. Es sei deshalb wichtiger, in diese Bereiche zu investieren als ideologische Strukturdebatten zu führen.

          Zu den wichtigsten Handlungsfeldern gehöre die verstärkte Integration von Migranten, eine intensivere Förderung von Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten, eine Verringerung der Bildungsarmut und vor allem eine bessere Schulqualität. Schon jetzt gebe es eine Fachkräftelücke bei den Mint-Qualifikationen, die bei 65.000 liege, sie drohe sich auf 200.000 nicht zu besetzende Arbeitsplätze auszuweiten, befürchten die für den Bildungsmonitor Verantwortlichen.

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