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Bildungsbericht : Der digitale Lernerfolg hängt vom Lehrer ab

Digitales Lernen in Niedersachsen Bild: dpa

Der Bildungsbericht zeigt Probleme beim digitalen Lernen. Technik allein genüge nicht. Es gibt auch eine positive Entwicklung. Der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen geht zurück.

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          Das Schwerpunktkapitel des achten Bildungsberichts stand längst vor der Corona-Pandemie fest und könnte trotzdem kaum passender sein, denn es geht um Bildung in einer digitalisierten Welt. Wie sich während der Schulschließungen gezeigt hat, sind die Bildungseinrichtungen in Deutschland technisch noch längst nicht gut genug ausgestattet. „Die Technik allein genügt nicht“, stellen die Forscher der Autorengruppe unter Leitung des geschäftsführenden Direktors des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (früher Dipf) Kai Maaz fest. „Bislang fehlen Konzepte, um digitale Technologien entlang der gesamten Bildungsbiographie didaktisch sinnvoll einzusetzen“. Die digitale Technik werde nicht systematisch in die Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals integriert, die sich nach Bundesländern und Bildungsbereichen erheblich unterscheidet.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Bisher besäßen die meisten Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen allenfalls rudimentäre digitale Kompetenzen, heißt es im Bildungsbericht. Am schwächsten ausgeprägt sind sie in der Gruppe der 16 bis 65 Jahre alten Menschen, am stärksten bei den Studenten im dritten Studienjahr.

          „Das gesamte Lehrpersonal einbeziehen“

          In der Freizeit benutzten zwar immer mehr Bildungsteilnehmer digitale Medien, ob sie jedoch auch zur Information und Bildung benutzt würden, hänge von der sozialen Herkunft und vom Alter ab. In den Schulen war der Einsatz digitaler Lehrmittel im Jahr 2018 noch die Ausnahme. Mehr als drei Viertel aller Achtklässler gab an, in der Schule weniger als einmal in der Woche digitale Medien für schulbezogene Zwecke einzusetzen, ein Sechstel sogar nie. Neben einer ausreichenden technischen Infrastruktur hänge alles davon ab, wie sinnvoll die digitalen Medien eingesetzt wurden – ob nur zur Unterstützung traditioneller Lernformen (z.B. digitale Texte oder kooperatives Lernen). Ob der Einsatz digitaler Medien erfolgreich sei, hänge von der Haltung der Lehrer ab, die mehrheitlich der Meinung seien, dass digitale Medien Schüler zwar gelegentlich motivierten, doch nur in einer Minderheit der Auffassung seien, dass sich dadurch auch Lernergebnisse verbessern könnten oder individualisiertes Lernen ermöglicht werde.

          Den Grund für die Skepsis der Lehrer sehen die Forscher auch darin, dass digitale Technologien in der Ausbildung bisher nur der Fachkräfte der beruflichen Ausbildung eine größere Rolle spielten, in der sonstigen Lehrerausbildung jedoch nicht. „Digitale Technologien können nur dann erfolgreich verankert werden, wenn möglichst das gesamte Lehrpersonal in den Prozess eingebunden ist“, heißt es im Bildungsbericht. Die politisch Verantwortlichen müssten auf allen Ebenen des Bildungssystems dafür sorgen, dass eine sichere digitale Infrastruktur zur Verfügung gestellt werde. Gegenwärtig werde sie nicht selten von Medienunternehmen bereitgestellt, die ihre Interessen im Bildungssystem zur Geltung brächten, was meist mit enormen Problemen für den Datenschutz verbunden sei.

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          Der Bildungsbericht wird alle zwei Jahre auf Basis von amtlichen Statistiken, sowie sozialwissenschaftlichen Daten und Studien erstellt. Als systematische Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung Erwachsener soll er langfristige Entwicklungslinien verfolgen.

          Zum ersten Mal zeigt sich eine Grenze für die Bildungsexpansion. Noch immer ist es wahrscheinlicher als Kind einer Akademikerfamilie zu studieren als aus einer Familie ohne Hochschulabschluss, auch wenn die Schulnoten schwächer sein sollten. Der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen ist zurückgegangen. Legten 2014 noch 53 Prozent eine allgemeine Hochschulreife oder eine Fachhochschulreife ab, waren es 2018 „nur“ noch 50 Prozent. Zugleich ist die Anzahl der Jugendlichen, die eine Hauptschule ohne Abschluss verließen, im selben Zeitraum von 5,8 auf 6,8 Prozent gestiegen.

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