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Bildungsstudie : Achtklässler haben bei der Digitalkompetenz nichts dazugelernt

Digital: Schüler im Niedersächsischen Gehrden lernen mit iPads im Englischunterricht Bild: dpa

Deutsche Schüler sind in Sachen Digitalkompetenz weiterhin nur Mittelmaß. Die Kultusminister hoffen auf die Wirkung des Digitalpakts. Doch die Icils-Studie zeigt: Der Umgang mit digitalen Geräten allein hilft nicht weiter.

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          Deutsche Achtklässler haben bei der Recherche von Informationen im Internet oder beim Umgang mit Computerprogrammen seit 2013 nichts dazu gelernt. Das ist das ernüchternde Ergebnis der aktuellen Icils-Studie (International Computer and Information Literacy), an der 14 Länder und Regionen der Nordhalbkugel teilgenommen haben. Deutschland befindet sich wie meist bei internationalen Studien nur im Mittelfeld. Am Dienstag wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt. An der repräsentativen Studie beteiligten sich 3655 Schüler der achten Klasse, 2386 Lehrer und 210 Schulen. Ganz offenkundig befähigt der Besitz digitaler Medien noch lange nicht zu einem sinnvollen Umgang mit ihnen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Nicht einmal 30 Prozent der Schulen haben ein funktionierendes WLAN. Nur etwas mehr als ein Viertel der Achtklässler in Deutschland besuchte 2018 eine Schule, in der sowohl Lehrer als auch Schüler einen Zugang zu einem schulischen WLAN hatten. Zwar gibt es immer mehr Whiteboards, doch das Whiteboard allein bringt noch keinen Erkenntnisgewinn. Nach wie vor müssen sich zehn Schüler ein digitales Gerät teilen. Kultusministerkonferenz und Bundesbildungsministerium, das die Studie allein finanziert hat, reden sich die Ergebnisse damit schön, dass die „Maßnahmen“ des Digitalpakts zum Zeitpunkt der Studie, die in den ersten Jahreshälfte 2018 erhoben wurde, noch nicht hätten greifen können. Spätestens bei der nächsten Studie in fünf Jahren lässt sich also ablesen, ob der Digitalpakt überhaupt irgendeine Wirkung hatte.

          Dänemark, Südkorea, die Region Moskau und Finnland an der Spitze

          Nicht einmal zwei Prozent der deutschen Schüler erreichen die Leistungsspitze, ein Drittel verfügt nur über Grundkenntnisse. Ein viel zu hoher Anteil von 33,4 Prozent kann gerade einmal eine Mail anklicken oder einen Link öffnen, ist jedoch unfähig, diese Informationen kompetent zu verarbeiten, geschweige denn im Internet verständig zu recherchieren. Dänemark, das bei der letzten Icils-Studie noch im Mittelfeld lag, hat es geschafft sich an die Spitze zu arbeiten. Dort habe man, aber auch eine Milliarde Euro in Unterrichtsmaterialien für die Fächer investiert, sagte die wissenschaftliche Leiterin der Studie, die Erziehungswissenschaftlerin Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn. Neben Dänemark schnitten Südkorea, die Region Moskau und Finnland weit überdurchschnittlich ab.

          Während die deutschen Schüler beim bloßen Umgang mit einem Computer leicht überdurchschnittlich abschnitten, waren sie außerordentlich schwach beim neuen Testgebiet „computational thinking“, sie waren also außerstande, Algorithmen zu verstehen oder gar damit zu arbeiten. Sie waren auch nicht dazu in der Lage, Aufgaben zum Einsatz von Drohnen zu lösen. In einer Testaufgabe sollten die Schüler sich über den Einsatz einer landwirtschaftlichen Flugdrohne zum Aussäen und Bewässern Gedanken machen. Dafür stand eine visuelle Programmierschnittstelle für eine Reihe von Programmieraufgaben zur Verfügung, die sich auf die Steuerung des Fluggeräts bezogen. Kinder aus bildungsfernen Familien schnitten gerade bei diesem Testbereich noch deutlich schlechter ab als Kinder aus bildungsnahen Familien.

          Digitale Medien werden im Unterricht wenig genutzt

          Der Anteil der Lehrer, die täglich im Unterricht digitale Medien nutzen, hat sich seit 2013 von etwa neun Prozent auf etwas über 23 Prozent mehr als verdoppelt. Einige von ihnen hatten auch an einer Fortbildung teilgenommen, doch der Anteil ist im internationalen Vergleich immer noch sehr gering.

          Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, es sei „insbesondere nicht hinnehmbar, dass weiterhin ein starker Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem kompetenten Umgang der Jugendlichen mit den digitalen Medien besteht“. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Hessens Ressortchef Alexander Lorz (CDU), meinte, die Studie gebe „wichtige Hinweise und Impulse für die Ausgestaltung des gemeinsamen Digitalpakts von Bund und Ländern sowie für die KMK-Strategie ‚Bildung in der digitalen Welt‘“.

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