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Bildung : Abitur ist nicht gleich Abitur

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Bewertungsunterschiede in Mathematik

Wir beschränken uns hier auf die Fachnoten aus dem letzten Halbjahreszeugnis vor dem Abitur. In der Abbildung wird gezeigt, welche Leistungen Abiturienten in Baden-Württemberg und Hamburg im Grundkurs (Felder A und C) beziehungsweise im Leistungskurs (Felder B und D) jeweils erbringen mussten, um eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. Die Noten werden hierbei durch die übliche Punkteskala dargestellt. 13 bis 15 Punkte entsprechen der Note 1, 10 bis 12 Punkte der Note 2 usw.

Die Abiturienten in Hamburg erbrachten im Grund- und Leistungskurs Mathematik für eine identische Note deutlich geringere Leistungen als die Abiturienten in Baden-Württemberg. In statistischen Analysen lässt sich zeigen, dass die Bewertungsunterschiede rund 1,5 Punkte auf der Punkteskala von 0 bis 15 beziehungsweise rund eine halbe Note auf der Notenskala von 1 bis 6 betrugen. Weiterhin ist zu erkennen, dass sich die substantiellen Bewertungsunterschiede auf die Mathematik beschränkten, im Fach Englisch waren sie inkonsistent und insgesamt wenig bedeutsam.

Die Bewertungsunterschiede in Mathematik sind zu einem großen Teil die Folge des gut bekannten Referenzgruppeneffekts: Lehrkräfte orientieren sich bei der Notengebung nicht an absoluten Standards, sondern primär an den Leistungen der Mitschüler. In pädagogischer Hinsicht ist dieser Referenzgruppeneffekt durchaus sinnvoll (in einem Kurs, in dem alle die Note 4 oder schlechter bekommen, ist die Motivation sehr gering), unter dem Aspekt der leistungsgerechten Vergabe von Studien- und Berufschancen sieht es allerdings anders aus.

Hypothetisches Szenario macht Ungerechtigkeit deutlich

Welche Konsequenzen haben die Bewertungsunterschiede? In Deutschland spielen die Abiturnoten eine herausragende Rolle bei der Zulassung zu Studienfächern mit Zulassungsbeschränkungen. So ist es den Hochschulen erlaubt, die Fachnoten in einzelnen Fächern bei der Zulassung mit zu berücksichtigen - nimmt man unsere Ergebnisse ernst, ist dies höchst bedenklich. Die Abiturdurchschnittsnote hat sich dagegen in mehreren Untersuchungen als relativ guter Prädiktor von Studienleistungen erwiesen. Das liegt vermutlich unter anderem daran, dass in die Gesamtnote die Leistungen in vielen Fächern einfließen und sie neben der intellektuellen Leistungsfähigkeit auch die Anstrengungsbereitschaft der Absolventen widerspiegelt.

Der Spielraum, den die Hochschulen inzwischen für den Einsatz von standardisierten Fachleistungstests, die von den Hochschulen durchgeführt werden, haben, wird bislang mehr schlecht als recht genutzt. In einigen anderen Staaten werden dagegen in vielen Studiengängen sämtliche Plätze auf der Basis von Leistungen in solchen standardisierten Leistungstests vergeben. Was würde geschehen, wenn dies auch in Deutschland der Fall wäre? Um dies zu prüfen, haben wir auf Grundlage der vorliegenden Daten ein hypothetisches Szenario der Studienzulassung an einer fiktiven Hochschule simuliert. Wir haben dafür angenommen, dass die Hochschule einen hoch attraktiven ingenieurwissenschaftlichen Studiengang anbietet, bei dem nur 10 Prozent der Studienbewerber aufgenommen werden können.

Ergebnisse sind eindeutig

Für unser Szenario haben wir vereinfachend angenommen, dass sich nur Abiturienten aus Baden-Württemberg und Hamburg bewerben würden, und zwar jeweils die besten. Zudem haben wir aus Gründen der Verständlichkeit die Stichprobe der Baden-Württemberger Abiturienten durch eine nachträgliche Gewichtung an die Stichprobengröße der Hamburger Abiturienten angepasst; verglichen werden somit zwei Bundesländer mit gleicher Anzahl von Studienbewerbern aus allgemeinbildenden Gymnasien. Und schließlich beruhen die Rechenmodelle auf der Annahme, dass die Leistungsunterschiede, die wir mit Daten aus den Jahren 2002 und 2005 identifiziert haben, noch immer bestehen - das kann, muss aber nicht der Fall sein.

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