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Bewertung der Nachwendezeit : Mit den Augen des Ostens

  • -Aktualisiert am

In Vorbereitung auf die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit spannen Gerüstbauer Ende September 2018 eine Fotocollage auf ein Gerüst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das Werk des französischen Street-Art-Künstlers JR zeigt Szenen aus Zeiten der deutschen Wiedervereinigung. Bild: ZB

Deutschlands Osten wird immer noch viel zu oft nur mit Problemen verbunden. Dabei kann er gerade in der Familien- und Gleichstellungspolitik eine stärkere Vorbildfunktion einnehmen. Ein Gastbeitrag.

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          In Politik und Medien herrscht ein „Westblick“. Nur bei Problemen richtet sich der Spot kurz und grell auf den Osten – danach folgt westdeutsch geprägte Normalität, in der eine bayerische Regionalpartei ganz Deutschland für ihren Wahlkampf quält. Im Osten wohnen mehr Menschen als in Bayern und fast genauso viele wie in Nordrhein-Westfalen. Man wunderte sich, wie hart um eine ostdeutsche Ministerin im Kabinett gestritten werden musste.

          Ostdeutsche Besonderheiten wurden oft ausgeblendet. Trotz vieler starker Ost-Persönlichkeiten hat auch die SPD zu oft einen sehr westdeutschen Blick. Die Linkspartei hat ihre ostdeutsche Identität durch eine urban-kosmopolitische ersetzt. Vielleicht besteht ein Kern der ostdeutschen Enttäuschung darin, dass Angela Merkel sich immer wenig zu ihrer Heimat bekannt hat. Bei der AfD dominieren schließlich rechte westdeutsche Eliten wie Björn Höcke und Alexander Gauland, für die Ostdeutsche nur Mittel zum Zweck sind, um Rache zu nehmen für verlorene Schlachten der alten Bundesrepublik.

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