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Bewerbung für Winterspiele 2018 : Schneehasen statt Abfahrtsläufer

  • -Aktualisiert am

Katarina Witt, DOSB-Präsident Thomas Bach und Ministerpräsident Seehofer: Wird die Olympiabewerbung zur Erfolgsgeschichte? Bild:

Sind die Planungen für die Winterspiele 2018 eine bayerische Variante der Potemkinschen Dörfer? Es geht bei der Bewerbung um mehr als internationale Sportpolitik - auch die Durchsetzungskraft der CSU steht in Frage.

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          Es ist wieder einmal kein guter Tag für Horst Seehofer gewesen, als er diesen Satz gesagt hat: „Von einem Rechtsanwalt lassen wir uns kein Ultimatum stellen“. Bei dem Anwalt handelt es sich um Ludwig Seitz, Partner einer angesehenen Kanzlei in München, ein Fachmann für öffentliches Planungsrecht. Seitz vertritt 59 Grundeigentümer in Garmisch-Partenkirchen und hat Seehofers Staatskanzlei wissen lassen, dass seine Mandanten ihren Boden nicht für die Olympischen Winterspiele 2018 zur Verfügung stellen wollen.

          Die Staatskanzlei möge doch die Konsequenzen daraus ziehen und bis zu diesem Mittwoch bestätigen, dass die Bewerbung für die Spiele zurückgezogen worden sei - andernfalls werde das Internationale Olympische Komitee (IOC) über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt.

          Sind die Planungen für die Winterspiele, die in München, Garmisch-Partenkirchen und im Berchtesgadener Land stattfinden sollen, eine bayerische Variante der Potemkinschen Dörfer? Gleichsam Seehofersche Olympiadörfer? Auf Grundstücken, die es zwar gibt, auf denen die Eigentümer aber lieber Schneehasen als olympische Abfahrtsläufer sehen?

          Die Auseinandersetzung ist eine weitere Zuspitzung einer ohnehin spannungsreichen Geschichte, in der es nicht nur um internationale Sportpolitik geht - München, Garmisch-Partenkirchen und das Berchtesgadener Land konkurrieren um die Winterspiele 2018 mit dem französischen Annecy und dem südkoreanischen Pyeongchang. Es steht auch die Durchsetzungskraft der CSU in Frage - einer Partei, die zu ihrem Markenkern rechnet, dass sie die Modernisierung Bayerns, des einstigen Agrarlands, mit Großvorhaben wie dem Flughafen München vorangetrieben hat, der den Namen ihres Ahnherrn Franz Josef Strauß trägt.

          Gewaltige Summen und schwierige ökologische Fragen

          Die deutsche Bewerbung ist örtlich dreigeteilt: In München sollen die Eis-, in Garmisch die Skiwettbewerbe ausgetragen werden, für Bob, Rodel und Skeleton ist die Kunsteisbahn Königssee im Berchtesgadener Land vorgesehen. In München, das die erste Stadt in der olympischen Geschichte wäre, das nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten würde, erregen die Ambitionen noch nicht groß die Gemüter. 2018 ist noch weit entfernt und kein Münchner muss fürchten, dass sein Vorgarten zu einem Eisstadion umfunktioniert wird. Ob sich nicht doch noch in einem späteren Stadium Widerstände regen werden - siehe Stuttgart 21 - ist eine andere Frage; auch bei den Winterspielen 2018 geht es um gewaltige Summen und schwierige ökologische Fragen.

          Der Bayerische Landtag hat in der vergangenen Woche in einem eigenen Olympiagesetz umfangreiche finanzielle Garantien gebilligt, unter anderem für eine anteilige Finanzierung von Baumaßnahmen bis zu einer Höhe von 160 Millionen Euro und für eine Finanzierung eines Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzepts bis zu einer Höhe von 40 Millionen Euro. Vergleichen lassen sich beide Vorhaben - Stuttgart 21 und die Winterspiele - aber kaum; und nicht wenige Münchner sind stolz auf die olympische Geschichte ihrer Stadt, die ihnen weit über das Jahr 1972 hinaus dauernden Nutzen gebracht hat, etwa ein gut ausgebautes Nahverkehrssystem.

          Widerstände in Garmisch-Partenkirchen

          Viel bewegter und emotionaler ist die Lage in Garmisch-Partenkirchen, das mit den Winterspielen 1936 auch eine olympische Vergangenheit hat, über der freilich der Schatten des propagandistischen Missbrauchs durch die nationalsozialistischen Machthaber liegt.

          Die Widerstände in Garmisch-Partenkirchen, 2018 wieder Olympiaort zu sein, sind seit der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Dezember 2007 für eine deutsche Bewerbung mal stärker, mal schwächer gewesen und haben unterschiedliche Motive: Angst vor einer Verstädterung der Gemeinde mit ihren rund 27.500 Einwohnern, Skepsis gegenüber Großveranstaltungen, Verärgerung über Ungeschicklichkeiten der Gesellschaft, die für die Bewerbung gegründet worden ist und an der der DOSB, die Landeshauptstadt München, der Freistaat Bayern, die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen und der Landkreis Berchtesgadener Land beteiligt sind.

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