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Beuth über Corona-Impfungen : Eher ein Marathon als ein Sprint

  • -Aktualisiert am

Eine Impfkabine im neu eingerichteten Impfzentrum im Wiesbadener Rhein-Main CongressCenter (RMCC) Bild: Frank Röth

Am Sonntag beginnt die bundesweite Impfkampagne gegen das Coronavirus. Die Impfung sei freiwillig, aber eine „Frage der Solidarität“, sagt Hessens Innenminister. Dass die Kühlkette nicht durchbrochen werden darf, stellt die Ärzte vor Herausforderungen.

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          In Deutschland werden am Sonntag die ersten Impfungen gegen das Coronavirus vorgenommen. Die dafür vorgesehenen Impfdosen treffen am Samstag in den Bundesländern ein, die ihr Vorgehen abgestimmt haben. Das gab Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) am Dienstag in Wiesbaden bekannt.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Hessen, das rund 6,3 Millionen Einwohner hat, wird demnach zunächst nur etwa 10.000 Impfdosen erhalten; die Hälfte davon soll am Sonntag verimpft werden – an die Gruppe mit der höchsten Priorität gemäß der Impfverordnung des Bundes, also an Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen sowie an Mitarbeiter in sieben Kliniken, die einen Schwerpunkt bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten haben. Die zweite Hälfte der Dosen wird zwischengelagert, um in jedem Fall die Zweitimpfung sicherstellen zu können.

          Verteilung entsprechend der Bevölkerungszahl

          Die Kliniken nehmen die Impfungen selbst vor, in Alten- und Pflegeheimen tun dies „mobile Impfteams“, die in den 28 hessischen Impfzentren gebildet wurden. Obwohl bei weitem nicht genügend Impfdosen selbst für die erste Gruppe zur Verfügung stehen, werden die Dosen entsprechend der Bevölkerungszahl auf die kreisfreien Städte und Landkreise verteilt. Das bedeutet, dass zunächst pro Verwaltungseinheit nur einige wenige hundert Impfdosen zur Verfügung stehen, im Einzelfall noch weniger.

          In Frankfurt etwa stehen demnach am Sonntag 300 Dosen für Alten- und Pflegeheime zur Verfügung sowie 150 für die Uniklinik. Für den Odenwaldkreis hingegen, der zwar eine sehr hohe Infektionsinzidenz aufweist, aber dünn besiedelt ist, stünden zunächst nur „weniger als hundert Impfdosen“ zur Verfügung, so Beuth. Bis die erste Kategorie der Personen mit Vorrang in den Einrichtungen bei einer Impfung durchgeimpft ist, dürfte es daher einige Zeit dauern. Hessens Innenminister gab die Zahl der Bewohner und Mitarbeiter von Pflege- und Altenheimen in Hessen mit 112.000 an, die der Krankenhausmitarbeiter mit 15.000.

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          Bei der „größten Impfaktion in der Geschichte unseres Landes“ handele es sich um „keinen Sprint, eher einen Marathon“, sagte Beuth. Wenn die erste Phase abgeschlossen sei – laut Beuth mutmaßlich gegen „Mitte/Ende Januar“ –, sollen in Hessen sechs regionale Impfzentren (in Frankfurt, Gießen, Fulda, Kassel, Wiesbaden und Darmstadt) öffnen.

          Dann erhalten Personen der Gruppe mit höchster Priorität die Möglichkeit, eigenständig Termine für eine Impfung auszumachen – per Hotline oder Webseite, die jeweils der Bund betreibt. Dann könnten diejenigen, die noch mobil seien, eigenständig die Impfzentren aufsuchen, sagte Hessens Innenminister. Personen mit eingeschränkter Mobilität würden zuhause von den mobilen Impfteams geimpft.

          Biontech-Impfstoff „sehr anspruchsvoll“

          Den nun zur Verfügung stehenden Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech bezeichnete Beuth als „sehr anspruchsvoll“. Dieser muss bis kurz vor der Injektion auf Minus siebzig Grad heruntergekühlt bleiben. Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden. Damit dürfte es sich als sehr aufwendig gestalten, alle über achtzig Jahre alten Menschen, die immobil sind, zuhause zu impfen. Nach Angaben Beuths ist allein in Hessen etwa eine halbe Millionen Menschen älter als achtzig Jahre; der größte Teil davon lebt zuhause.

          Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) warnte in dem Zusammenhang am Dienstag vor Problemen beim Impfen von Pflegebedürftigen, die zuhause versorgt werden. Die Eigenschaften des Biontech-Impfstoffes ließen es nicht zu, dass Ärzte beispielsweise von Haus zu Haus gingen, um das Vakzin zu verabreichen, sagte Laumann dem Deutschlandfunk. Daher sei es wichtig, dass Impfstoffe anderer Unternehmen, die nicht diese Voraussetzungen an ihre Aufbewahrung stellten, rasch zur Verfügung stünden.

          Vorausgesetzt, es gibt ausreichend Impfdosen, können etwa in Hessen maximal 30.000 Impfungen täglich durchgeführt werden. Dann – in einer dritten Phase – wird dies in allen dann geöffneten 28 Impfzentren des Landes geschehen, die in den kreisfreien Städten und Landkreisen aufgebaut worden sind. Dann kann auch die Impfung auf die nächste Personengruppe ausgeweitet werden. Wann das sein werde, hängt laut Beuth von den Impfstofflieferungen ab. Diese koordiniert der Bund, dem insgesamt zunächst 700.000 Dosen zur Verfügung stünden.

          Beuth führte für Hessen weiter aus, dass das Land am 28. und 30. Dezember noch einmal insgesamt knapp 100.000 Dosen des Biontech-Impfstoffs erhalte. Wöchentlich sei dann zunächst mit 50.000 Dosen zu rechnen. Die ersten Lieferungen seien immerhin „mehr als erwartet“.

          Hessens Sozial- und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) verwies darauf, dass auch der Impfstoff des amerikanischen Unternehmens Moderna vor einer Zulassung in der EU stehe; zudem gebe es weitere Impfstoffe in Sichtweite, etwa jenen des Tübinger Unternehmens Curevac.

          Beuth warb um Vertrauen in den von Sonntag an zur Verfügung stehenden Impfstoff. Dieser sei „gewissenhaft geprüft“ worden, die EU-Zulassung sei nicht die schnellste, aber dafür „die gründlichste“ gewesen. Mittels der Impfungen sei es möglich, die Ausbreitungen der Infektionen zu stoppen und die Pandemie zu beenden. Die Impfung sei freiwillig, doch sei sie auch eine „Frage der Solidarität“. Impfstoffe gehörten allgemein zu den am stärksten geprüften Arzneimitteln, sagte Klose.

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