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Bettina Wulffs Aussage : Endlich Klarheit: Es gab nie Garnelen

  • -Aktualisiert am

Mit Spannung erwartet: die Aussage Bettina Wulffs, der getrennt lebenden Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff Bild: AFP

Bettina Wulff entlastet ihren Mann vor Gericht. Und sie schildert ihn in sanften Farben. Ihre Begegnung mit Christian Wulff wurde massenhaft und mit Argusaugen von den Medien verfolgt.

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          Gewissenhaft sei ihr Mann, und Alkohol trinke er so gut wie nie. Bettina Wulff beschreibt Christian Wulff mit freundlichen Worten. Sie hätten trotz ihrer Trennung weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis und seien regelmäßig in Kontakt, vor allem wenn es um die Sorge für ihren gemeinsamen Sohn gehe. Beim Auftritt der ehemaligen „First Lady“ waren im Landgericht Hannover erstmals die Zuhörerreihen voll. Bei „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler und ihrem Mann, dem Zeitschriftenverleger Hubert Burda, waren noch viele Plätze leer geblieben.

          Das Oktoberfestwochenende in München 2008, das nun zum ersten Strafprozess gegen einen früheres Staatsoberhaupt führte, wurde bei einem von Bettina Wulff gekochten Abendessen ein halbes Jahr zuvor vereinbart. Damals waren der mitangeklagte Filmproduzent David Groenewold und auch Maria Furtwängler in Hannover zu Gast bei den Wulffs. Dem damaligen Ministerpräsidenten war es ein Anliegen, sein Land im ARD-Tatort freundlicher, nicht so düster dargestellt zu sehen.

          Zwei Entlastungszeugen für Wulff

          Ob des Interesses dafür, wie Christian und Bettina Wulff in der Öffentlichkeit miteinander umgehen und wie sie ihn vor Gericht beschreibt, drohte der Inhalt ihrer Aussage am Donnerstag in Hannover jedoch fast in den Hintergrund zu treten. Wie alle bisherigen Zeugen hat auch sie Christian Wulff entlastet. Sie habe nie erlebt, sagt sie, dass ihr Mann und Groenewold sich geschäftlich besprochen haben. Sie sei aber nicht bei allen Männergesprächen dabei gewesen. Ihr Mann, durch den sie Groenewold kennenlernte, sei mit dem Filmproduzenten enger verbunden gewesen als sie.

          Geschäftliche Absprachen und Berechnung wirft indes die Staatsanwaltschaft Wulff und Groenewold vor: Der Filmproduzent habe den Regierungschef in München eingeladen – es geht um eine Summe von 750 Euro – mit der Absicht, dass sich dieser für einen seiner Filme einsetze. Dabei ging es um den Film über John Rabe und dessen Rolle als Retter von vielen hundert Chinesen im Zweiten Weltkrieg.

          Frau Wulff bestätigte nun, dass Rabes Schicksal ihren Mann lange bewegt habe, ganz unabhängig von dem Film, für den er beim Siemens Konzern warb, den Rabe in China vertreten hatte. Noch entschiedener war dazu die Äußerung eines weiteren Zeugen am Donnerstag, eines Presseberaters Groenewolds. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er den Eindruck gehabt habe, dass Groenewold seinen freundschaftlichen Kontakt zu Wulff beruflich habe nutzen wollte, antwortete er mit einem klaren „Nein“.

          Bettina und Christian Wulff begrüßen sich im Landgericht Hannover
          Bettina und Christian Wulff begrüßen sich im Landgericht Hannover : Bild: dpa

          Groenewold und Wulff „ergänzten sich gut“

          Bettina Wulff beschreibt Groenewold als offen und fröhlich – so hätten er und ihr Mann sich gut ergänzt. Weil Zuhörer und Verfahrensbeteiligte daraufhin lachten, ergänzt sie rasch, dass heiße nicht, dass ihr Mann nicht auch offen und fröhlich sei. Der Richter fragt Frau Wulff, was sie meine, wenn sie Groenewold als „umtriebig“ beschreibe: Er stehe, antwortet sie, unter positivem Strom und könne nicht lange an einem Ort sein.

          Auf dem Weg in den Gerichtssaal und auch danach vom Zeugentisch schaut Bettina Wulff so gut wie nicht zu ihrem Mann. Auch dieser blickt eher zum Richter, während sie spricht. Vor dem Auftakt im Gang hatten sie sich kurz und freundlich umarmt. Auf die Frage des Richters, ob sie mit ihm verheiratet sei, sagt sie bestimmt „verheiratet und getrennt“. Sie hätte deshalb ihre Aussage verweigern können, tat das aber nicht. Bei ihrer Zeugenvernehmung vor den Ermittlern, die deutlich länger gewesen war als die gut eine Stunde als Zeugin vor Gericht, entstand aus Berichten der Eindruck, nicht alles, was sie sagte, diene seiner Entlastung – diesmal aber war es so.

          Wer trank den Champagner?

          Alle bisherigen Zeugen – Mitarbeiter des Bayerischen Hofs in München, Personenschützer, Gäste des Abends im Festzelt beim Oktoberfest – haben bisher die Kernlinie der beiden Verteidiger Wulffs gestützt, Wulff sei mit Groenewold seit langem befreundet. Er habe zudem nicht wissen können, dass Groenewold im Hotel einen Teil seiner Hotelrechnung beglichen habe.

          Rätselraten herrscht unter den Zuhörern darüber, warum das Gericht und auch der Staatsanwalt in seinen seltenen Fragen an Zeugen immer wieder wissen wollen, ob und welchen Alkohol Wulff trinke. Bettina Wulff sagt, er trinke öffentlich wie auch privat so gut wie nie Alkohol, meist nur Sprudel oder Apfelschorle. Auch nur halbwegs angeheitert habe sie ihn nie erlebt. So bleibt unklar, wer denn die fünf Champagnerflaschen im „Käfer“-Zelt auf der Wiesn trank, die auf der Rechnung standen, – das Ehepaar Wulff jedenfalls nicht.

          Dafür gibt es endlich mehr Klarheit über die Essgewohnheiten Frau Wulffs – Fleisch esse sie nicht– außer manchmal Hühnchen, und Garnelen auch nicht. Zu den Zahlgewohnheiten ihres Mannes berichtet sie, er habe eine Aversion gegen Kreditkarten. Ein Portemonnaie habe er auch nicht und trage daher Geldscheine, manchmal mehrere hundert Euro, lose in der Tasche. Wenn Groenewold und Wulff sich trafen, habe mal der eine, mal der andere gezahlt, eine feste Absprache oder Übung habe es wie auch sonst unter Freunden nicht gegeben. Treffen aber waren wegen der „unglaublichen Termindichte“ ihres Mannes schwierig.

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