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Kuriose Kanzlerinnen-Fotos : Wem streckt Merkel hier die Zunge raus?

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Bundeskanzlerin Angela Merkel streckt am Freitag im Libanon die Zunge raus. Bild: dpa

Um sie herum tobt der Asylstreit, ihre Kanzlerschaft steht auf der Kippe. Auf ihrer Libanon-Reise gibt sich Angela Merkel trotzdem so locker wie selten.

          Beim ersten Wurf klappt es noch nicht so richtig, doch dann gelingen Angela Merkel und den Kindern der Ras-Beirut-Schule in der libanesischen Hauptstadt ein paar Pässe mit den bunten Basketbällen, die die Kanzlerin als Gastgeschenk mitgebracht hat. Danach packt der hohe Besuch noch mehrere Deutschlandtrikots aus und verteilt sie an die Mädchen und Jungen zwischen sechs und zehn Jahren. Während sich daheim der Asyl-Streit zwischen Merkels CDU und der CSU zuspitzt, nimmt sich die Kanzlerin am Freitag Zeit für die Schule im Westen Beiruts, an der vormittags libanesische und nachmittags syrische Flüchtlingskinder unterrichtet werden.

          Im Pausenhof übt sich eine Gruppe von Vorschulkindern unter der lautstarken Anleitung ihrer Betreuerin mit drei Stäben in einem Geschicklichkeitsspiel. Merkel beugt sich zu einem kleinen Jungen, dem es nicht so recht gelingen will, den dritten Stab zwischen den anderen in der Luft zu balancieren und versucht, ihm zu helfen. Die Kanzlerin klatscht erfreut, als einem anderen Kind das Kunststück gelingt.

          Ungewohnt lockere Bilder gab es von der Kanzlerin auch während eines Singspiels mit Vorschulkindern der Doppelschichtschule: Merkel streckt die Zunge raus und fasst sich an die Ohrläppchen. Der Text des Lieds gibt es schließlich so vor.

          Merkel besucht im Libanon eine Doppelschicht-Schule, in der vormittags libanesische und nachmittags syrische Kinder unterrichtet werden.

          Hier der Besuch einer sogenannten Doppelschicht-Schule, an der nachmittags rund 600 syrische Flüchtlingskinder unterrichtet werden. Dort immer neue, schwere Vorwürfe zwischen den Unionsparteien, die deren Fraktionsgemeinschaft und damit den Fortbestand der Regierung zunehmend in Frage zu stellen scheinen. Doch genauso wenig wie die Kanzlerin die lange geplante Reise nach Jordanien und in den Libanon deswegen absagen wollte, weicht sie von ihrem Besuchsprogramm ab. Auch aus der Ferne scheint sie signalisieren zu wollen, dass sie kühlen Kopf bewahrt.

          Und so spricht sie mit Regierungschef Saad Hariri über die Lage im Land, die alles andere als rosig ist: Die Wirtschaft des Libanon ist angeschlagen, durch die Aufnahme von rund 1,5 Millionen Kriegsflüchtlingen aus dem benachbarten Syrien ist das kleine Land am Mittelmeer an die Grenzen der Erschöpfung gelangt. Das verstärkt auch die gesellschaftlichen Spannungen – besonders die Christen, allen voran Staatschef Michel Aoun, fordern eine schnelle Rückkehr der Syrer in ihre zerstörte Heimat.

          Merkel lobt den Libanon

          Merkel spricht dem libanesischen Kollegen ihre Hochachtung für die Leistungen seines Landes aus und sichert ihm die Unterstützung Deutschlands bei der Versorgung der Flüchtlinge zu. Zugleich hebt die Kanzlerin mit Blick auf die mitgereiste  Wirtschaftsdelegation den Willen Deutschlands hervor, die ökonomischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu stärken. Denn „die wirtschaftliche Entwicklung steht natürlich für die Stabilität des Libanon an erster Stelle „, sagt sie und verweist auf mögliche Investitionen deutscher Unternehmen in Energie und Abfallwirtschaft.

          Letztlich ist die Reise in den Libanon und nach Jordanien auch Gelegenheit für Merkel, ihre Standpunkte in der Flüchtlingspolitik in Richtung ihrer Kritiker zu bekräftigen. Am Vortag hatte die Kanzlerin in einer Diskussion mit Studenten an der Deutsch-Jordanischen Universität (GJU) in Amman ihr Credo wiederholt: „Wir müssen ein offenes Land sein, natürlich müssen wir ordnen und steuern.“ Und am Freitag sagt sie an die Adresse derer, die Flüchtlinge so schnell wie möglich wieder loswerden wollen, dies dürfe nur geschehen, wenn die Bedingungen sicher seien und die Heimkehr der Menschen unter dem Dach der Vereinten Nationen vollzogen werde.

          Zuhause erwartet die Kanzlerin dann wieder das ganz konkrete Problem der Zurückweisungen an der deutschen Grenze, aus denen ihr Innenminister Horst Seehofer (CSU) eine Schicksalsfrage gemacht hat. Und die über allem stehende Frage, ob CDU und CSU jenseits dieses Einzelaspekts noch willens sind, gemeinsam zu regieren. Mitentscheidend sind die nächsten Tage, in denen Merkel versuchen will, bi- oder multilaterale Abkommen mit anderen EU-Ländern zu erreichen. Am Sonntag steigt sie wieder in den Flieger, diesmal nach Brüssel.

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