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Bestatter am Limit : „Die schiere Menge macht einen völlig fertig“

Einäscherung im Krematorium Dresden-Tolkewitz Bild: dpa

In der Pandemie stapeln sich in vielen Krematorien die Särge. Vor allem im Osten, wo sich besonders viele Menschen mit Corona anstecken, kommen die Bestatter kaum hinterher. Das Virus verändert auch den Umgang mit dem Tod.

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          Auf der Schalttafel im Untergeschoss leuchtet ein Knopf grün, André Ritter drückt kräftig drauf. Schräg gegenüber öffnet sich das Tor zur Einäscherungsanlage Nummer eins, vom Boden hebt sich eine breite Metallschiene mit einem Sarg darauf. In Großbuchstaben hat jemand „COVID 19“ auf das Holz geschrieben. Langsam fährt der Sarg in den Ofen. Die Flammen lodern auf, als sie das Holz erfassen, dann gleitet die Schiene zurück und das Tor schließt sich lautlos. Kurz darauf wiederholt sich das Verfahren nebenan. „Eigentlich haben wir vier Anlagen in Betrieb“, sagt Ritter. Doch an Nummer vier fiel vor drei Wochen der Wärmetauscher aus. „Ausgerechnet jetzt, wo wir alle Kapazitäten brauchen.“ Die Reparatur ist teuer, und sie wird eine Weile dauern, das Ersatzteil ist nicht so schnell zu beschaffen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Seit 14 Jahren leitet Ritter das kommunale Krematorium Dresden im Stadtteil Tolkewitz, und in dieser Zeit hat er schon viel mitgemacht. Nach Hitzewellen oder Grippewellen lieferten Bestattungsunternehmen stets viele Tote bei ihm an. „Das war für uns alles noch verkraftbar“, sagt er. Doch so etwas wie jetzt habe er noch nie erlebt. Er meint Corona. „Seit Mitte November ist die Situation extrem. Wir haben mehr als doppelt so viele Einäscherungen wie sonst um diese Zeit.“ Im November explodierte die bis dahin vergleichsweise moderate Zahl an Corona-Infektionen in Sachsen - und bald darauf auch die Zahl der Toten.

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