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Beschneidung : Blutiger Schnitt

Drei Dinge seien für die Juden wichtig, sagt Steiman: das Lernen, der Schabbat, die Beschneidung. „Wir denken vom Kollektiv her und von der Geschichte.“ Die Identität des jüdischen Volkes beruhe auf der kollektiven Erinnerung, und die reiche nun einmal sehr weit zurück. „Wir können die Beschneidung nicht aufgeben. Das wäre ein Verrat an allen, die für unseren Glauben gekämpft haben und auch für ihn gestorben sind.“

Die Beschneidung der Knaben am achten Tag nach der Geburt bestätigt nicht nur den Bund mit Gott und sichert den Fortbestand des Volkes Israel. Sie soll auch erzieherisch wirken. Männer seien nun einmal stark von ihren Trieben bestimmt, sagt Steiman, darum müssten sie beschnitten werden. Nur so könnten sie kapieren, dass dieser Körperteil Gott geweiht sei. Dass auch das manchmal nicht hilft, weiß Steiman aus eigener Erfahrung. „Bei meinem Vater hat es nichts gebracht.“

„Ein brutales, archaisches Volk

Die Beschneidung wird vom Mohel, dem rituellen Beschneider, der auch ein ausgebildeter Arzt sein kann, vorgenommen. Der acht Tage alte Säugling wird dabei nicht betäubt. Viele glauben, dass die Nerven zur Weiterleitung des Schmerzes noch nicht ausgebildet sind. Nur ein Tropfen Wein wird ihm eingeflößt – das soll betäubende Wirkung haben. Steiman kann darin nichts Verwerfliches erkennen und erzählt die Geschichte von einem befreundeten Rabbiner. Der habe ihm während einer Beschneidungszeremonie zugeflüstert: „Was sind wir doch für ein brutales, archaisches Volk.“

Felix Schier, den Leiter der Kinderchirurgie an der Uniklinik in Mainz, machen solche archaischen Rituale wütend. Eingriffe ohne medizinischen Grund und dann auch noch bei nicht einwilligungsfähigen „Patienten“ seien unethisch und kein ärztliches Handeln. Die Vorhaut hält er für „ein weltanschauliches Organ“ und empört sich über die Duldsamkeit gegenüber Gepflogenheiten anderer Kulturen und Religionen auf Kosten der Kinder. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, Ulrich Hofmann, hat jüngst dazu aufgerufen, die Beschneidung nicht als Wahleingriff anzubieten – wenn auch nur wegen der unsicheren Rechtslage.

Wenigstens mit Betäubung

In Deutschland werden Beschneidungen ohne medizinischen Grund nicht von den Krankenkassen übernommen. Wer sein Kind dennoch beschneiden lassen möchte, muss dafür um die 400 Euro hinlegen. Wenn sie von Ärzten vorgenommen wird, geschieht das unter Betäubung. Muslime, vor allem türkische, fahren häufig lieber in die Türkei und lassen ihre Söhne dort beschneiden. Gelegentlich kommt aber auch Kemal Özkan nach Deutschland. Er ist der Inhaber des „Palastes der Beschneidung“ in Istanbul, und er genießt unter türkischen Muslimen das Ansehen eines Popstars. Viele betrachten es als besondere Auszeichnung, wenn ihr Kind von ihm beschnitten wird.

Özkan betreibt eine etwas eigenwillige Werbung. Er rühmt sich etwa, schon auf dem Rücken eines Kamels, auf einem Floß oder mit einem Team von 30 Leuten 1400 Jungen an einem Tag beschnitten zu haben. Bei allem Klamauk: Ihm ist es zu verdanken, dass die Knaben wenigstens eine lokale Betäubung während des Eingriffs bekommen.

Zwischen Recht und Religionsfreiheit

Die Politik tut sich derweil schwer mit der Beschneidung. Aus der Union-Bundestagsfraktion heißt es lustlos, das Thema sei „zweifelsohne“ ein wichtiges, und es sei auch „andiskutiert“ worden. Eine Fraktionsmeinung gebe es aber nicht.

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