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Neugründung wahrscheinlich : AfD-Gründer Lucke kündigt Parteiaustritt an

Bernd Lucke am Wochenende beim AfD-Parteitag in Essen. Bild: dpa

Der abgewählte Vorsitzende Bernd Lucke will am Freitag aus der AfD austreten. Der Volkswirt verlässt die Partei gemeinsam mit der „Weckruf“-Vorsitzenden Ulrike Trebesius. Eine Parteineugründung unter der Führung Luckes wird immer wahrscheinlicher.

          Der frühere AfD-Vorsitzende Bernd Lucke wird am Freitag aus seiner Partei austreten. Das teilte Lucke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch mit. Er werde den Austritt gemeinsam mit der schleswig-holsteinischen Landesvorsitzenden und „Weckruf“-Vorstandsvorsitzenden Ulrike Trebesius vollziehen, sagte Lucke. Er sehe „keinen Sinn mehr in einer Mitgliedschaft“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Die inhaltliche Neuausrichtung der AfD könne er „nicht einmal mehr zähneknirschend“ mittragen, sagte Lucke, der am Samstag als Parteivorsitzender abgewählt worden war. Mit der Wahl des neuen Bundesvorstandes, der nun mehrheitlich mit Nationalkonservativen besetzt ist, habe sich die AfD „weit weg bewegt“ von ihren Ursprüngen. Sein Austritt werde „sicherlich nochmal zu sehr vielen Austritten führen“, sagte Lucke.

          Ein „Weckruf“: Bernd Lucke und Ulrike Trebesius wollen vor allem die Euro-Politik weiter verändern - aber nicht mehr in den Reihen der AfD

          Neben Lucke kündigten am Mittwoch auch drei von vier AfD-Abgeordneten in der Bremischen Bürgerschaft ihren Parteiaustritt an, darunter der Bremer Landesvorsitzende Christian Schäfer und der frühere Bundesschatzmeister Piet Leidreiter. Er sehe sich im Landesverband „isoliert“ und halte eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ nicht mehr für möglich, teilte Schäfer mit.

          Weitere Austritte erwartet

          Seit der Abwahl Luckes hatten etliche Landesvorsitzende, Europaabgeordnete und Funktionäre der unteren Ebene ihren Parteiaustritt vollzogen oder angekündigt. Mehrere AfD-Abgeordnete aus der Hamburgischen Bürgerschaft, darunter der Landesvorsitzende Jörn Kruse, erwägen ebenfalls einen Austritt. In Kreisen der bayerischen AfD wird über die Gründung einer „Alternative für Bayern“ diskutiert, nach dem Modell von CDU und CSU. Eine Entscheidung soll in spätestens zwei Wochen getroffen werden. Petry hatte die austrittswilligen Mitglieder am Dienstag zum Bleiben aufgerufen.

          Unterdessen wird eine Parteineugründung durch Lucke immer wahrscheinlicher. Nach Informationen der F.A.Z. hatten sich bis Mittwochmorgen rund die Hälfte der etwa 4000 „Weckruf“-Mitglieder an einer entsprechenden Umfrage beteiligt. 85 Prozent von ihnen stimmten für eine Neugründung. Lucke sagte der F.A.Z., es sei „noch nichts entschieden“. Eine Neugründung werde nicht vor einer „Weckruf“-Versammlung am 19. Juli in Kassel stattfinden.

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