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AfD droht Spaltung : Lucke: Ein Bruch mit radikalen Kräften ist unvermeidlich

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AfD-Parteichef Bernd Lucke am Sonntag in Bremen Bild: dpa

Bernd Lucke will im Flügelstreit in der AfD eine Entscheidung erzwingen. Die Grundvorstellungen der radikalen und bürgerlichen Kräfte seien unvereinbar, schreibt er in einer Mail an alle Mitglieder. Zuletzt wurden Gerüchte gestreut, Lucke wolle die Partei verlassen.

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          Der Bundesvorsitzende der AfD, Bernd Lucke, hält einen Bruch zwischen den radikalen und den bürgerlichen Kräften seiner Partei für unausweichlich. „Ich glaube nicht, dass Appelle zur Geschlossenheit hier weiterhelfen. Die Grundvorstellungen dieser beiden Gruppen sind unvereinbar“, schrieb Lucke in einer E-Mail, die am Montag an alle Mitglieder der Alternative für Deutschland ging.

          Der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte am Sonntag erklärt, Lucke plane, die AfD zu verlassen und eine neue Partei zu gründen. Lucke wollte dies öffentlich nicht kommentieren. Den Mitgliedern teilte er mit: „An diesem Gerücht ist lediglich wahr, dass ich mir große Sorgen um die AfD mache.“

          Antikapitalistische, deutschnationale, antiislamische und einwanderungsfeindliche Kräfte hätten dem Ansehen der AfD zuletzt stark geschadet, schrieb Lucke. Ein seriöses Image sei aber nicht nur wichtig für Parteimitglieder, die mitten im Beruf stünden und in ihrem Freundeskreis nicht schief angesehen werden wollten. Die Entwicklung sei auch ein Grund dafür, dass sich einige potentielle AfD-Wähler in Hamburg und Bremen wieder der FDP zugewandt hätten.

          Adam streut Gerüchte

          Am Bremer Wahlabend waren Gerüchte aufgekommen, Lucke wolle die AFD verlassen und die Partei spalten. Ein Parteiaustritt Luckes käme wohl einem Todesurteil über die noch junge Partei gleich. Urheber des Gerüchts ist der Parteivorsitzende Konrad Adam. Er bestätigt der F.A.Z., dass er gesagt habe, „in den letzten Stunden und Tagen haben sich die Indizien verschärft, dass eine Kontroverse in der AfD droht“. Ob es dabei um eine Spaltung oder Parteineugründung gehe, solle Lucke erklären. Er wisse es nicht.

          Auf Nachfrage hatte Lucke in Bremen noch abwehrend reagiert. „Schwachsinn, ich kommentiere das gar nicht erst“, sagte er der F.A.Z. Sein enger Verbündeter, der kürzlich zurückgetretene, stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Hans-Olaf Henkel trat dagegen mit einem förmlicheren Dementi an die Öffentlichkeit. „Da ist überhaupt nichts dran“, sagt Henkel.

          Adam habe erst „meinen Rücktritt gefordert, nun Luckes Rücktritt vorhergesagt. Er sollte stattdessen selbst zurücktreten und zwei Leute aus dem Bundesvorstand mitnehmen“, sagte Henkel - und spielte damit offenbar auf die Parteivorsitzende Frauke Petry und Brandenburgs Landesvorsitzenden Alexander Gauland an, die zu den Lucke-Gegnern zählen.

          Aus Parteikreisen war aber schon bald am Sonntagabend zu erfahren, dass Adam tatsächlich Unrecht hat. Es gibt keinen Plan für einen Austritt Luckes oder eine Parteineugründung. Vielmehr haben sich Lucke und die ihm treuen Führungsfiguren der AfD - dazu zählen fünf von sieben Europaabgeordneten - nun offenbar entschlossen, offensiv gegen ihre innerparteilichen Gegner vorzugehen.

          Adam, der dem Vernehmen nach nicht in die Pläne eingeweiht war, wollte mit dem Streuen der Gerüchte in die Öffentlichkeit anscheinend Lucke unter Zugzwang setzen. Luckes liberaler Mitstreiter Henkel hatte den AfD-Vorstand im April verlassen. Er hatte davor mehrfach vor einem Rechtsruck der Partei gewarnt.

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