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Satire-Streit : Bernd Lucke: „Böhmermann ist eine feige Drecksau“

  • Aktualisiert am

Ist nun auch unter die Satiriker gegangen: Der Alfa-Vorsitzende Bernd Lucke Bild: dpa

Bernd Lucke kritisiert den Satiriker Jan Böhmermann dafür, dass er den türkischen Präsidenten mit „Dreck und Schweinereien überschüttet“ habe. Erdogan sei ein viel zu leichtes Ziel.

          Der Vorsitzende der konservativ-liberalen Partei Alfa, Bernd Lucke, hat dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wegen dessen Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Feigheit vorgeworfen. „Ihn (Erdogan) abzuwatschen, ist leichtes Spiel. Da klatscht das Publikum, weil es den ungeliebten Erdogan erwischt. Da lacht es über die primitiven Vulgaritäten“, schreibt Lucke auf seiner Internetseite. Böhmermann habe Erdogan mit „Dreck und Schweinereien überschüttet“, fügt der Europaabgeordnete hinzu.

          „Auf Unanständiges anständig zu reagieren, ist nicht so leicht. Es ist nicht jedermanns Sache, in einer Fernsehsendung aufzustehen und den Moderator abzuwatschen, wie er es verdient hätte“, so Lucke weiter.

          Bernd Lucke über „noch was, was man nicht sagen darf“

          Zugleich äußert sich der Mitgründer der AfD, aus der er mittlerweile ausgetreten ist, beleidigend über Böhmermann. So bezeichnet er ihn als „feige Drecksau“. Er bedient sich dabei der selben Methode wie der Satiriker und stellt der entsprechenden Passage die Worte voran: „Noch was, was man nicht sagen darf“.

          Lucke gibt zwar zu, dass Kritik an Erdogan berechtigt sei, lobt den türkischen Präsidenten dann aber ausgiebig für dessen Wirtschafts- und Sozialpolitik: „Anders als viele korrupte Kleptokraten hat Erdogan sein Land nicht ruiniert. Ganz im Gegenteil: Er hat die Türkei zum Erfolg geführt.“

          Mehrheit der Deutschen widerspricht Merkel

          Zwei Drittel der Deutschen halten einer Umfrage zufolge indessen die Entscheidung von Kanzlerin Angela Merkel im Fall Böhmermann für falsch. 66 Prozent sprachen sich gegen die Ermächtigung für ein Strafverfahren gegen den Satiriker wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten aus, wie aus der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ hervorgeht. Nur 22 Prozent halten den Beschluss für richtig, zwölf Prozent sind unentschieden.

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          Emnid befragte am Freitagnachmittag 500 repräsentativ ausgewählte Personen. Die Ablehnung von Merkels Entscheidung ist in der Union mit 62 Prozent fast genauso hoch wie in der SPD mit 63 Prozent. Die Zustimmung lag bei den SPD-Wählern bei 26 Prozent und bei CDU/CSU bei 29 Prozent.

          Wegen eines Schmähgedichts von Böhmermann hatte die Türkei die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches verlangt. Dem gab die Bundesregierung am Freitag statt. Merkel kündigte zugleich die Abschaffung des Paragrafen bis 2018 an.

          Die Grünen fordern eine möglichst rasche Abstimmung darüber im Bundestag. „Wir werden unseren Gesetzentwurf nächste Sitzungswoche einbringen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter der Zeitung.

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