Berliner Stadtschloss : Protest gegen geplante Überblendung von Bibelzitaten
- -Aktualisiert am
Die Kuppel des Humboldt-Forums, einem teilweisen Nachbau des Berliner Stadtschlosses, am 27. August 2020. Bild: Lucas Bäuml
Kulturstaatsministerin Claudia Roth plant eine „temporäre Überblendung“ des Bibelzitats am Berliner Stadtschloss. Dafür erntet sie nun erhebliche Kritik aus der Union.
Die Ankündigung von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne), die Bibelinschrift an der Kuppel des nachgebauten Berliner Stadtschlosses im Rahmen eines Kunstprojekts vorübergehend zu überblenden, ist auf Protest der Union im Bundestag gestoßen.
Roth habe die Inschrift „offenbar überhaupt nicht verstanden“, schrieb die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion Dorothee Bär (CSU) in einer Mitteilung. „Wenn sie sie jetzt verhüllen lässt, dann disqualifiziert sie sich vollends für ihr Amt.“ Es sei nicht Roths Aufgabe, „die Geschichte umzuschreiben und für die aktuelle ideologische Prägung ihrer Partei passfähig zu machen“.
Die kultur- und medienpolitische Sprecherin der Fraktion, Christiane Schenderlein (CDU), äußerte: „Der Bibeltext auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses muss sichtbar bleiben.“ Es reiche aus, die Bibelpassagen durch eine Informationstafel in ihren Kontext zu stellen. Schenderlein äußerte die Sorge, dass „im nächsten Schritt sogar das Kreuz auf der Kuppel infrage gestellt wird.“
Der Text auf der Kuppel, den König Friedrich Wilhelm IV von Preußen (1795 bis 1861) aus mehreren Fundstellen kombiniert hatte, lautet: „Es ist in keinem andern Heil, . . . denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“
Roth hat schon früher deutlich gemacht, dem Text kritisch gegenüberzustehen. Der Preußenkönig habe damit „kein unpolitisches Zeichen von Religiosität“ gesetzt, äußerte sie am Mittwoch. Ihm sei es darum gegangen, den „allein von Gott abgeleiteten Herrschaftsanspruch“ zu untermauern.
„Unser Grundgesetz und unsere Demokratie stehen in der Traditionslinie der demokratischen Bewegungen von 1848 und 1849 sowie der Paulskirchenverfassung und nicht in der Traditionslinie eines repressiven Königs- und Kaisertums“, so Roth. Im Sinne einer programmatischen Auseinandersetzung sehe das Kunstprojekt eine „temporäre Überblendung der Inschrift mit alternativen, kommentierenden und reflektierenden Texten“ vor.