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Berliner Abgeordnetenhaus : Das hatte sich die SPD anders vorgestellt

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Die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch und die SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey bei der Elefantenrunde des Abgeordnetenhauses Bild: AP

Die Berliner SPD gab sich mit Franziska Giffey bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus siegesgewiss. Doch am Ende wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch. Vor manchen Wahllokalen mussten die Berliner stundenlang anstehen, um ihre Stimme abgeben zu können.

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          So hatten sie sich in Berlin den Sonntagabend nicht vorgestellt. Die Wähler nicht, von denen viele noch bis in den Abend vor den Wahllokalen stehen, weil eine Serie von Pannen bei der Durchführung der Wahl für eine Serie von Verzögerungen sorgt. Und die beiden Spitzenkandidatinnen von SPD und Grünen auch nicht. Schon am Nachmittag zeichnet sich ab, dass eine von beiden die nächste Regierende Bürgermeisterin werden dürfte. Bloß welche, die Genossin und bisherige Favoritin Franziska Giffey oder die Grüne Bettina Jarasch? Das Rennen verläuft deutlich knapper, als es die Umfragen zuletzt hatten erwarten lassen, für die Anhänger beider Parteien ist es ein Wechselbad der Gefühle.

          Tobias Schrörs
          Politikredakteur.

          Lauter Jubel ertönt um 18 Uhr auf der Party der Grünen: Die Prognose der ARD für die Wahl zum Abgeordnetenhaus sieht die Partei bei 23,5 Prozent, zwei Prozentpunkte vor der SPD. Auf der Party der Sozialdemokraten sieht man lange Gesichter, als diese Prognose über den Bildschirm läuft: kurzer Anstandsapplaus. Das war’s. Wirklichen Jubel gibt es nur einmal, nämlich als sich das überraschend schlechte Ergebnis der AfD abzeichnet. Nachdem diese vor fünf Jahren, während der Flüchtlingskrise, noch mit gut 14 Prozent ins Abgeordnetenhaus eingezogen war, hat sie ihr Ergebnis nun mehr als halbiert.

          „Wir sind noch nicht am Ende“

          Einem jungen Genossen fällt nur ein Wort zu den ersten Prognosen für die SPD ein: „Erschreckend.“ Um kurz vor sieben dann tritt Giffey vor ihren Parteifreunden auf. Sie gibt sich zuversichtlich, dass die Zahlen sich im Laufe der Auszählung noch ändern: „Heute Abend ist es knapp, aber wir sind noch nicht am Ende.“ Den Genossen spricht sie Mut zu: „Lasst uns zuversichtlich sein.“ Die 18-Uhr-Prognose des ZDF sieht die SPD mit 23 Prozent knapp vorn, die Grünen mit einem Prozentpunkt weniger dahinter. Einige SPD-Mitglieder fühlen sich etwas getröstet von der Aussicht, dass ihre Partei auch mitregieren könnte, wenn Giffey nur Zweitplatzierte würde: Eine Koalition aus Grünen und SPD wäre den ersten Prognosen zufolge möglich. Die ersten Hochrechnungen sehen mal die SPD, mal die Grünen vorn. Um zehn Uhr liegt die SPD mit 22,2 Prozent vor den Grünen, die da auf 20,2 Prozent kommen. Zusammen wäre das zu wenig für ein Zweierbündnis.

          Giffey war in den vergangenen Wochen zur Favoritin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters avanciert. Lange hatte es nicht danach ausgesehen. Über Monate war sie in Umfragen bei 15 Prozent gedümpelt. Ein Umstand, der auch auf ihre Plagiatsaffäre zurückzuführen war, die ihren Abschied aus der Bundespolitik unvermeidlich gemacht hatte. Der Weg für ihre Kandidatur in Berlin war frei geworden, nachdem ihr Parteifreund und Amtsinhaber Michael Müller hatte wissen lassen, dass er nicht noch einmal antreten würde. Die Berliner waren nicht gleich überwältigt von der Idee, nun gewissermaßen Giffeys Trostpreis zu sein und einer Politikerin Vertrauen zu schenken, die dieses an anderer Stelle gerade erst verspielt hatte.

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