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Berlin : Rütli-Schule bittet um Ruhe

  • Aktualisiert am

Neuer Rektor der Rütli-Schule: Helmut Hochschild Bild: dpa/dpaweb

Ein neuer Rektor, der kein „Feuerwehrmann“ sein will, eine Schülersprecherin, die die Presse bittet, „an unsere Zukunft zu denken“ - fünf Tage nachdem der Brandbrief des Kollegiums öffentlich wurde, sucht die Rütli-Hauptschule vor allem eines: Ruhe.

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          Die Rütli-Schule, die durch einen Brandbrief ihres Kollegiums in der vergangenen Woche von Journalisten, Fotografen und Kamerateams regelrecht belagert wurde, hat sich an die Öffentlichkeit gewandt. Am Montag war die Polizei abgezogen worden, die am Freitag die Schule bewachte.

          Am Dienstag stellten sich eine Schülersprecherin, die kommissarische stellvertretende Schulleiterin und der in die Rütli-Schule entsandte Hauptschulleiter Helmut Hochschild den Fragen der Presse - demonstrativ in den Räumen der Berliner Schulverwaltung. Er bitte darum, daß die Schule ohne Rummel das neue Schuljahr vorbereiten könne und daß sie nicht in den beginnenden Berliner Wahlkampf hineingezogen werde.

          „Bin kein Feuerwehrmann“

          Helmut Hochschild leitet seit 13 Jahren eine Hauptschule in Reinickendorf im Norden Berlins und ist seit 25 Jahren Hauptschullehrer. Bis zum Beginn des neuen Schuljahrs leitet er nun die durch den Hilferuf ihrer Lehrer berüchtigt gewordene Rütli-Hauptschule in Neukölln. Er sei kein „Feuerwehrmann“, sagte Hochschild, er wolle vor allem „die Kommunikationsprozesse verbessern“.

          Der resolute Rektor: „Bin kein Feuerwehrmann”
          Der resolute Rektor: „Bin kein Feuerwehrmann” : Bild: dpa/dpaweb

          Nach ersten Gesprächen mit Schülern und Lehrern müsse er sagen, daß die Verhältnisse dort „sehr schief in der Presse dargestellt“ worden seien. Weder die Schüler noch die Lehrer wollten die Rütli-Schule auflösen, wie berichtet worden war. Doch fühlte sich das Kollegium „nicht klar unterstützt“, es habe zu lange zu viele Vakanzen gegeben. Er bat darum, in der nächsten Zeit „in Ruhe arbeiten“ zu können.

          „Die Presse soll an unsere Zukunft denken“

          Die Schüler hätten den Wunsch geäußert, nicht „stigmatisiert“ zu werden. Es sei absolut unzutreffend, die Rütli-Schule als „Haßschule“ zu bezeichnen. Die Schülervertreterin Katrin El-Mahmout berichtete, es sei Schülern von Journalisten Geld dafür geboten worden, wenn sie über Drogen an der Schule gesprochen hätten. „Die Presse soll an unsere Zukunft denken, sie soll die Wahrheit über uns schreiben“, sagte sie. „An jeder Schule gibt's Gewalt“.

          Die Schüler sollten mehr „Respekt vor älteren Leuten“ haben, forderte Hochschild. Die Klassensprecher der Schule, mit denen er an seinem ersten Arbeitstag dort gesprochen habe, hätten viele Ideen gehabt, wie man die Verhältnisse an der Schule verbessern könnte, viele Schüler wüßten aber auch, sagte Hochschuld, „daß sie bei sich selbst anfangen müßten“. Die Lehrer seien keinesfalls „depressiv“, berichtete der kommissarische Rektor. Er komme nicht mit „Flausen“ zu ihnen, sondern sei ebenso wie sie ein Hauptschullehrer mit Erfahrung.

          Sozialarbeiter mit Sprachkenntnissen

          Als erste Hilfe von außen hat die Rütli-Schule drei Sozialarbeiter bekommen, die der türkischen und arabischen Sprache mächtig sind.
          Am Dienstag nachmittag seien die Eltern zu einer Versammlung eingeladen worden.

          Zu Presseberichten, in denen Rütli-Lehrer unter dem Schutz der Anonymität von unfaßbaren Zuständen und von Angst vor den Schülern berichteten, sagte Hochschild, Kollegen seien „in Einzelfällen überfordert“, doch sei es keinesfalls so, daß die psychische Lage der Lehrer in Neukölln ausweglos sei und daß sich alle nur mit dem Mobiltelefon in die Klassenräume trauten.

          Hochschild wies wie Siegried Arnz von der Schulaufsicht darauf hin, daß die Leiter der 58 Berliner Hauptschulen in regelmäßigem Kontakt miteinander stehen. Ein Arbeitsprogramm für die Hauptschule ist seit Juni 2005 Grundlage der Arbeit. Besonders die Vernetzung aller Stellen - Jugendamt, Sozialamt, Quartiersmanagement - müsse besser werden, es müßten in den Bezirken „Helferkonferenzen“ stattfinden, das „Tempo pädagogischen Handelns“ müsse erhöht werden, manche Dinge duldeten keinen Aufschub. Arnz sagte eine Beschleunigung der Stellenbesetzungen zu.

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