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Islamismus : Russe in Berlin wegen Anschlagsplänen festgenommen

Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Bild: dpa

Der 31 Jahre alte Islamist soll kiloweise Sprengstoff gehortet haben. Die Festnahme mit Hilfe der GSG 9 beruht auf Ermittlungen der französischen Polizei. Eine akute Gefahr bestand anscheinend aber nicht.

          Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch den russischen Staatsbürger Magomed-Ali C. in Berlin festnehmen lassen. Er gilt als radikal-islamistisch und wird dringend verdächtigt, gemeinsam mit dem in Frankreich inhaftierten Clément B. eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat sowie ein Explosionsverbrechen“ – also einen Sprengstoffanschlag – vorbereitet zu haben, wie es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft heißt. Die Wohnung des Beschuldigten wurde durchsucht. Der 31 Jahre alte C. wurde mit Unterstützung der Spezialeinheit GSG 9 durch Beamte des Bundeskriminalamtes und des Berliner Landeskriminalamtes festgenommen. Die Festnahme geschah im Zuge einer engen Zusammenarbeit der deutschen und französischen Sicherheitsbehörden.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          C. stammt aus der russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus. Die Berliner Sicherheitsbehörden hatten seit 2015 ein Auge auf ihn, von der Polizei wurde er seitdem als Gefährder eingestuft. Von den Behörden wurde ihm im selben Jahr die Ausreise nach Syrien untersagt, wo er sich mutmaßlich dem „Islamischen Staat“ (IS) anschließen wollte. C. kannte Anis Amri, den Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz. In Sicherheitskreisen hieß es allerdings, das „Kennverhältnis“ sei nicht besonders eng, eher „vage“ gewesen. Die beiden verkehrten in dem Berliner Moscheeverein „Fussilet 33“ im Stadtteil Moabit, der mittlerweile verboten ist. Daraus, dass Amri und C. sich kannten, ergebe sich keine neue These zur Unterstützerszene Amris, hieß es in den Kreisen. In der Fussilet-Moschee verkehrten neben Türken und Deutschen besonders viele Tschetschenen und andere russische Staatsangehörige aus dem Nordkaukasus.

          Clément B. war am 18. April vorigen Jahres in Marseille festgenommen worden. Er hatte wohl vor, mit einem ebenfalls festgenommenen Komplizen in Frankreich einen Sprengstoffanschlag zu begehen. Bei seiner Festnahme fand die Polizei mehrere Schusswaffen und drei Kilo des Sprengstoffs TATP (Triacetontriperoxid). Im Zuge der französischen Ermittlungen ergaben sich Verdachtsmomente gegen Magomed-Ali C., die sich verdichteten. In dem Haftbefehl gegen diesen, so teilte es die Bundesanwaltschaft mit, wird ihm vorgeworfen, in seiner Berliner Wohnung im Herbst 2016 „eine erhebliche Menge“ TATP aufbewahrt zu haben. „Mit diesem Sprengstoff wollte der radikal-islamistisch gesinnte Beschuldigte gemeinsam mit dem zwischenzeitlich in Frankreich inhaftierten Mitbeschuldigten Clément B. einen Sprengsatz herstellen.“ Dieser habe zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an einem nicht bekannten Ort in Deutschland gezündet werden sollen, „um eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

          Durch eine Präventivmaßnahme der Polizei gegen C. seien die Anschlagsvorbereitungen jedoch gestört worden. Weil C. und B. seither fürchteten, der Sprengstoff könne gefunden werden, trennten sie sich. C. blieb in Berlin, B. ging nach Frankreich. Die Festnahme Magomed-Ali C.s diente vor allem dazu, den Verbleib des Sprengstoffs aufzuklären, der in seiner Wohnung gelagert war. C. wird am Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Dieser wird ihm nach Angaben des Generalbundesanwalts den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden.

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