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Schwangerer Hilfe verweigert? : Strafanzeige gegen Wachdienst von Flüchtlingsunterkunft

  • Aktualisiert am

Nach Angaben des Flüchtlingsrates habe sich der diensthabende Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma geweigert, einen Rettungswagen für die Hochschwangere zu rufen. (Symbolbild) Bild: dpa

Das Sicherheitspersonal einer Flüchtlingsunterkunft weigerte sich offenbar, einer Hochschwangeren einen Krankenwagen zu rufen. Sie verlor später ihr Baby. Was an dem Abend genau passierte, will der Berliner Senat nun aufklären.

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          Hat der Sicherheitsdienst einer Sammelunterkunft einer schwangeren Frau nötige Hilfe verweigert? Angesichts dieser schweren Vorwürfe des Berliner Flüchtlingsrates hat der Senat lückenlose Aufklärung angekündigt. Ein Security-Mitarbeiter soll die Hochschwangere abgewiesen haben, kurze Zeit später brachte sie einen toten Jungen zur Welt. Gegen zwei Sicherheitsdienstmitarbeiter des Berliner Flüchtlingsheims wurde inzwischen Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt.

          Es könnte sich auch um fahrlässige Tötung handeln, sagte der auf Medizinrecht spezialisierte Jurist Tobias Kiwitt am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst in Berlin. Er vertritt die betroffene Familie anwaltlich.

          Nach Angaben des Flüchtlingsrates litt die im neunten Monat schwangere Frau in der Nacht zum 23. Juni an starken Schmerzen und Blutungen. Der diensthabende Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma habe sich jedoch geweigert, einen Rettungswagen zu rufen. Die Begründung: Es sei Sonntagnacht, da könne man nicht die Feuerwehr rufen. Er sei auch nicht bereit gewesen, ein Taxi zu rufen, sondern habe der Frau und ihrem Mann lediglich die Adresse einer gut drei Kilometer entfernten Klinik mit Geburtshilfeabteilung gegeben.

          Dorthin sei das Paar, das kein Deutsch spreche, dann zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt. Anschließend sei die Frau von dem toten Kind entbunden worden. Die Todesursache soll laut Flüchtlingsrat akute Plazentainsuffizienz gewesen sein. Ob das Kind bei früherer medizinischer Hilfe überlebt hätte, ist unklar.

          „Das ist ein entsetzlicher Vorfall, der betroffen macht und Fragen aufwirft“, erklärte Integrationsstaatssekretär Alexander Fischer am Dienstag auf Twitter. „Er wird aufgeklärt. Es ist inakzeptabel, wenn Menschen die Notfallversorgung verwehrt wird. Das muss jederzeit gewährleistet sein.“

          „Der Familie gehört mein Mitgefühl. Sie muss jede Hilfe bekommen“, erklärte Staatssekretär Fischer. Laut Flüchtlingsrat geht es dem Paar, dessen Nationalität nicht genannt wurde, sehr schlecht. Es werde psychologisch betreut.

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