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Warnstreik in Berlin : Lehrer legen Arbeit nieder

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat die Lehrkräfte an Berliner Schulen zum Streik aufgerufen. Mit einem Fahrradkorso am Oranienplatz demonstrieren sie am 6. Oktober 2021 für kleine Klassen und bessere Gesundheitsvorsorge. Bild: Imago

In Berlin haben am Mittwoch 500 Lehrer die Arbeit niedergelegt. Sie fordern mehr Gesundheitsschutz durch eine Verkleinerung der Klassen.

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          Kurz vor Beginn der Berliner Herbstferien an diesem Samstag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Lehrer an ausgewählten Schulen am Mittwoch zu einem Warnstreik aufgerufen. Die GEW will damit erreichen, dass eine Verkleinerung der Klassen tarifvertraglich festgeschrieben wird. Durch eine geringere Arbeitsbelastung solle zum Gesundheitsschutz der Lehrer beigetragen werden.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Gewerkschaft verweist auf Gespräche mit den zuständigen Senatoren im Juni, bei denen sie zu einem Tarifvertrag Gesundheitsschutz aufgefordert hatte. Doch der Finanzsenator hatte sich gegen solche Verhandlungen ausgesprochen. „Daher bleibt als nächster Schritt nur die Möglichkeit, mit einem Warnstreik Druck auf den Arbeitgeber auszuüben“, begründete die GEW den Streik an 28 Schulen, darunter Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien. Insgesamt haben 500 Lehrer am Mittwoch die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben der GEW fehlen an Berlins Schulen 400 Lehrer. In den Grundschulen sind Seiten- und Quereinsteiger inzwischen längst in der Überzahl.

          Berlin ist mittlerweile das einzige Bundesland, das seine Lehrer nicht verbeamtet. Viele voll ausgebildete Lehrer bewerben sich deshalb in Brandenburg oder Hamburg. Die Ursache für den Lehrermangel in Berlin sieht die GEW aber nicht in der fehlenden Verbeamtung. Berlin habe es verpasst, die Lehramtsstudienplätze auszubauen. Die Berliner Universitäten hätten sich verpflichtet, bis 2022 jährlich 2000 Absolventen mit Lehramtsabschluss auszubilden, doch das Ziel werde deutlich verfehlt. 2018 waren es 910 Absolventen, 2019 nur 878, die Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor.

          Während die mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sich für eine Verbeamtung der Lehrer ausgesprochen hat, sieht die GEW darin keine Lösung. Wenn Berlins Lehrer verbeamtet würden, fiele die Möglichkeit weg, durch Streiks politische Forderungen durchzusetzen. Die Berliner Grünen unterstützen die Forderung nach einer Lehrerverbeamtung nicht einhellig. Die grüne Spitzenkandidatin Bettina Jarasch ist zwar dafür, kann aber nicht auf einhellige Unterstützung aus der Partei setzen.

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