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Bericht zum Odenwald-Skandal : „Sexuelle Ausbeutung mit System“

  • -Aktualisiert am

Als Haupttäter benannten die beiden Juristinnen den früheren Schulleiter Gerold Becker Bild: dpa

Mehrere Opfer des systematischen Missbrauchs an der Odenwaldschule haben sich später das Leben genommen. Der vorläufige „Abschlussbericht“ zum Skandal kommt zu dem Ergebnis, dass ein Selbstmord mit dem sexuellen Missbrauch an der Schule im Zusammenhang steht.

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          Im Missbrauchsskandal an der privaten Odenwaldschule gibt es fundierte Hinweise darauf, dass einige der traumatisierten Opfer pädophiler Lehrer Selbstmord begangen haben. „Es gibt harte Verdachtsmomente. Zusammenhänge mit dem sexuellen Missbrauch gibt es im Fall eines ehemaligen Schülers, der als junger Mann von 26 Jahren aus dem Leben geschieden ist“, sagte die Wiesbadener Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller, die zusammen mit der früheren Präsidentin des Oberlandesgerichtes Frankfurt, Brigitte Tilmann, im Auftrag der Schule das Ausmaß der Missbrauchsfälle untersucht hat.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Die beiden Juristinnen sprechen in ihrem am Freitag an der Schule vorgestellten, vorläufigen „Abschlussbericht“ über die „sexuelle Ausbeutung“ von Schülern an dem reformpädagogischen Internat im südhessischen Heppenheim von mindestens 132 „Betroffenen“; 117 Männern und 15 Frauen. Die früheren Schüler hätten sich nach dem abermaligen Bekanntwerden der Affäre in Briefen, per E-Mail, in persönlichen Gesprächen und per Telefon an sie oder die Schulleiterin gewandt. „So gut wie alle Aussagen waren glaubhaft. Das kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Strafrichterin sagen“, sagte Frau Tilmann.

          Der Schule verwiesen und beim Schulamt angezeigt

          In ihrem Bericht sprechen beide Autorinnen von sieben Lehrern und einer Lehrerin als Täter im Zeitraum zwischen 1965 und Ende der neunziger Jahre. Sechs weitere Mitarbeiter der Schule sowie vier namentlich bekannte, frühere Schüler seien identifiziert worden. Als Haupttäter benannten die beiden Juristinnen den früheren, im Sommer verstorbenen Schulleiter Gerold Becker. „Wir bezeichnen Becker als klassischen Pädophilen. Sein Interesse war vornehmlich auf Kinder gerichtet, die noch nicht geschlechtsreif waren. Er war ausschließlich auf Jungen ausgerichtet.“ Becker habe sich nach den Schilderungen der Opfer „fortgesetzt in einem Erregungszustand halten“ müssen.

          Brigitte Tillmann (li.) und die Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller haben das Ausmaß der Missbrauchsfälle untersucht

          Im geschlossenen System der Odenwaldschule habe Becker unter dem Deckmantel des pädagogischen Eros und eines hohen alternativen Erziehungsanspruchs, der die Nähe zum Kind geradezu herausforderte, „Grenzen zwischen sich und den Kindern nivellieren und eine Fülle von parallel existierenden Abhängigkeitsverhältnissen aufbauen“ können.

          Der Lebensgefährte des renommierten Bildungsreformers und Reformpädagogen Hartmut von Hentig hatte das Internat zwischen 1972 und 1985 geleitet. Schon 1999 war durch einen Bericht der Zeitung „Frankfurter Rundschau“ von Alt-Schülern Becker als pädophiler Täter enttarnt worden, ohne dass dies zu einer weitreichenden Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs geführt hätte.

          In ihrem Bericht erheben die beiden Juristinnen sowohl gegen den Vorgänger Beckers, Schulleiter Walter Schäfer, als auch gegen Beckers Nachfolger Wolfgang Harder schwere Vorwürfe und werfen ihnen „Versagen“ vor. Schäfer sei von Eltern und Schülern über sexuelle Vergehen der Lehrer Gerhard T. und Siegfried H. detailliert informiert worden. Während T. 1968 von der Schule verwiesen und beim Schulamt angezeigt wurde, sei H. noch bis Anfang der achtziger Jahre Lehrer an der Schule gewesen und habe „noch viele Taten begangen.“ Frau Kaufmanns Vorgänger Whitney Sterling wird in dem Bericht vorgehalten, dass er seit August 1999 von dem sexuellen Missbrauch in den sechziger und siebziger Jahren gewusst und dennoch nichts unternommen habe.

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