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Menschenrechte : „Ein Armutszeugnis für den WWF“

Ranger mit Waffen im Kruger-Nationalpark in Südafrika Bild: dpa

Ein Bericht offenbart „Lücken“ im Menschenrechtsschutz der Organisation. Politiker und andere NGOs reagieren kritisch. Der WWF Deutschland stellt ein Maßnahmenpaket vor.

          Nach Kritik an Menschenrechtsverletzungen durch Parkwächter in Naturschutzgebieten will der WWF Deutschland mehr unternehmen, um solche Fälle künftig zu verhindern und aufzuklären: Zwei neue Stellen für die Menschenrechtsarbeit sollen entstehen, Ranger und WWF-Mitarbeiter stärker geschult werden. Ein neues Regelwerk soll die Berücksichtigung der Menschenrechte in der gesamten Projektarbeit sicherstellen, das Beschwerdesystem im kongolesischen Salonga-Nationalpark verbessert werden. Das teilte die Organisation am Mittwochnachmittag mit. Damit reagierte der WWF auf einen Zwischenbericht des früheren Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung und FDP-Politikers Markus Löning. Seine Firma leitet im Auftrag der Organisation eine „Untersuchung der menschenrechtlichen Sorgfaltsprozesse“, die noch andauert.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Im Salonga-Park war es Ermittlungen zufolge zwischen 2002 und 2015 zu Übergriffen von Parkwächtern auf Bewohner anliegender Dörfer gekommen, es ging um Vergewaltigung, Folter oder Mord. Weitere Vorwürfe gab es in Verbindung mit WWF-Projekten in Kamerun und in Asien. Konkrete Taten waren aber nicht Gegenstand des ersten Berichts, sie werden parallel dazu vom WWF International untersucht.

          Der aktuelle Bericht kommt nun zu dem Schluss, der WWF Deutschland habe „eine große Bereitschaft bewiesen, seine Verantwortung für die Achtung der Menschenrechte wahrzunehmen“. Nichtsdestotrotz liege „ein anspruchsvoller Lernprozess“ vor ihm. Der WWF könne „einiges besser machen“, sagte Löning.

          Soziale Hintergründe werden ausgeblendet

          In dem Dokument werden gravierende Versäumnisse benannt: Menschenrechtsaspekte seien in die Entwicklung von Naturschutzprojekten „unzureichend integriert“, fänden in der Anfangsphase „keine Berücksichtigung“ und würden „in internen Projektbesprechungen nicht umfassend behandelt“, heißt es etwa. Der WWF verfüge zwar über Sozialstandards und Richtlinien, deren Verankerung in der Praxis sei jedoch „schwach und inkonsistent“. Mitarbeiter kennten sie manchmal gar nicht.

          Aus dem Bericht geht auch hervor, dass Menschenrechte nur dann systematisch berücksichtigt werden, wenn Geldgeber darauf dringen. Und dass die Öffentlichkeitsarbeit des WWF die Situation in den Naturschutzgebieten einseitig darstelle: Sie lenke die Aufmerksamkeit häufig auf Wilderei und die Bedrohung der Ranger, heißt es. „Die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe, die die Wilderei und die mit ihr einhergehende Gewalt beeinflussen, werden jedoch selten behandelt.“ In den Schutzgebieten werden Einheimische nämlich vom Jagen, Fischen und Sammeln ausgeschlossen – was ihre Armut und Verzweiflung verstärkt und sie oft gegen den Naturschutz aufbringt. Gewaltsame Konflikte mit den Antiwilderereinheiten – mit Opfern auf beiden Seiten – werden dadurch wahrscheinlicher.

          Der Bericht bleibt an vielen Stellen vage, etwa bei der Frage, ob die von den Naturschutzprojekten direkt betroffenen indigenen Völker den Vorhaben immer in freier Entscheidung zugestimmt haben, wie es internationales Recht fordert. Dazu heißt es lediglich, Aussagen von WWF-Mitarbeitern hätten „darauf hingedeutet“, dass der Prozess zur Einholung der Zustimmung „beim Aufsetzen neuer Projekte durchgeführt wird“. Konkrete Vorgaben für das Verfahren fehlten aber noch immer.

          Der Bundestagsabgeordnete und entwicklungspolitische Sprecher der Grünen Uwe Kekeritz sagte der F.A.Z., die Untersuchung sei „ein wichtiger Schritt“, zeige jedoch, dass Menschenrechtsstandards „sehr lückenhaft“ umgesetzt würden. „Das ist für so eine große internationale und angesehene Umweltorganisation schon ein Armutszeugnis. Auch in der Aufklärung der aktuellen Anschuldigungen hat die Organisation bislang wenig Transparenz und ehrliches Interesse an den Tag gelegt.“ Das zeige sich auch daran, dass der Bericht an einem Feiertag veröffentlicht wurde.

          „Armutszeugnis für die Bundesregierung“

          Die Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Schreiber (Linke) sagte der F.A.Z., der Bericht stelle „eindeutig fest, dass die Arbeit des WWF bei den Menschenrechten schwere Defizite aufweist. Mir ist diese Leerstelle unverständlich“. Der WWF werde seit Jahren auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen und müsse als Partner der Bundesregierung auch deren Menschenrechtsleitfaden berücksichtigen. „Dieser Verpflichtung kommt der WWF Deutschland offensichtlich nicht nach. Das ist ein Armutszeugnis auch für die Bundesregierung.“ Auch weise der Bericht „Schwachstellen“ auf, so Schreiber. „Ein Austausch mit Betroffenen in den Schutzgebieten hat nicht stattgefunden. Aber nur so ist ein Neuanfang möglich."

          Der FDP-Abgeordnete Christoph Hoffmann sagte, „in der Debatte um die zu verurteilenden Übergriffe beim Naturschutz sollte die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Eine „bessere Systematisierung menschenrechtsrelevanter Prozesse“, wie sie vom Löning-Bericht empfohlen werde, könne dem WWF „helfen, die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen in den von ihm unterstützten Schutzgebieten zu verringern“.

          Die Menschenrechtsorganisation Survival International kritisierte den Bericht: „Vom WWF bereitgestellte Dokumente, Gespräche mit 10 WWF-Mitarbeitern und öffentlich verfügbare Informationen bilden die einzige Basis dieser ,unabhängigen Untersuchung‘“, sagte Direktor Stephen Corry der F.A.Z. „Wenn der Bericht dann doch versucht, eigene Schlüsse zu ziehen, bleibt außer ,beabsichtigt‘, ,entwickelt gerade‘, und ,überarbeitet derzeit‘ nicht viel übrig vom menschenrechtlichen Einsatz des Naturschutzriesen.“

          Auch die britische Rainforest Foundation, die die Menschenrechtsverletzungen im Kongo publik gemacht hatte, sieht die Rolle des WWF und die beabsichtigten Maßnahmen kritisch. „Die Ranger hätten längst in Menschenrechten geschult sein sollen, das Training war aber offensichtlich ineffektiv“, sagte Direktor Simon Counsell der F.A.Z.

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