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Verbrechen an Kindern : Ein monströses Dunkelfeld

Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitet sich aus: Ein Haus in Alsdorf wird im November von der Polizei durchsucht. Bild: dpa

Dass sich Nutzer von 30.000 IP-Adressen an Bildern gemarterter Kinder ergötzten, sprengt jede Vorstellungskraft. Ermittler müssen nun auch über Bergisch Gladbach hinaus Mittel bekommen, um solchen Verbrechen beizukommen.

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          Eine Zahl ist eine Zahl ist eine Zahl – doch die Zahl von 30.000 IP-Adressen, hinter der sich eine ebensolche Zahl von Personen verbirgt, die sich an Bildern gemarterter Kinder ergötzten, sprengt jede gewöhnliche Vorstellungskraft. So wären wohl nicht nur die Ermittler im Rheinland froh, wenn es bei dieser Vorstellung bliebe. Doch ihre Aufgabe ist es, die in Bergisch-Gladbach und anderswo beschlagnahmten Dateien buchstäblich zu sichten. Auf diesen Dateien müssen sie sich anschauen, wie Kinder von (zumeist) Verwandten und deren Freunden geschändet werden. Sie setzen sich so Kräften einer Realität aus, die mit abgründig noch verharmlosend beschrieben ist.

          Was die Ermittler antreibt, ist nicht nur die vage Hoffnung, Kinder aus den Fängen ihrer Folterer befreien zu können. Indem auch sie die Möglichkeiten des Internets nutzen, machen sie endlich das gesamte Ausmaß eines verharmlosend als „Missbrauch“ beschriebenen Phänomens sichtbar, das die längste Zeit gesellschaftlich wie politisch verdrängt wurde. Und sie erhöhen das Risiko für die Täter und ihre Kunden, eines Tages aus dem Dunkel- in das Hellfeld zu geraten.

          Mag sich dessen Größe als noch monströser erweisen als befürchtet, so sind die Figuren, die sich darin bewegen, den Umrissen nach längst bekannt. Als das Bundeskriminalamt vor einigen Jahren die IP-Adressen von rund 800 deutschen Kunden eines Unternehmens erhielt, das von Kanada aus Bilder von Opfern zu Geld machte, führten die Datenspuren die Ermittler in den Bundestag wie in biedere Vorortvillen, in barocke Klöster wie in Sportstätten. Nicht nur die Täter, sondern auch die Abnehmer ihrer unter Folter entstandenen „Ware“ entstammen der sogenannten Mitte der Gesellschaft.

          Auch deswegen dürfte es so lange gedauert haben, bis die Ermittlungsbehörden endlich jene Mittel an die Hand bekamen, die es ihnen ermöglichen, dem organisierten Verbrechen an Kindern auf die Spur zu kommen, und das bislang auch nur in Nordrhein-Westfalen. Andernorts ist noch viel zu tun; von gesetzlichen Neuregelungen im Bund wie der Vorratsdatenspeicherung gar nicht zu reden.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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