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Brandanschlag in München? : Bekennerschreiben zu massivem Stromausfall aufgetaucht

  • -Aktualisiert am

Arbeiter stehen am Freitag in München an einer Stelle auf einer Baustelle, an der in der vorhergegangenen Nacht ein Kabelbrand ausgebrochen ist. Bild: dpa

20.000 Haushalte waren in München am Wochenende ohne Strom. Grund könnte ein Anschlag von Linksextremisten sein. Auf der Plattform Indymedia wurde ein Bekennerschreiben hochgeladen. Dessen Echtheit prüft nun der Staatsschutz.

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          Die Münchner Polizei geht dem Verdacht nach, dass für den massiven Stromausfall im Osten der Landeshauptstadt am Freitag und Samstag Linksextremisten verantwortlich waren, sie hat aber noch keine konkrete Spur. 20.000 Haushalte waren vom frühen Freitagmorgen bis in den Samstag hinein im Münchner Osten zumindest zeitweise ohne Strom.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Am Sonntag wurde auf der linksradikalen Plattform Indymedia ein Bekennerschreiben hochgeladen, in dem die anonymen Autorinnen und Autoren mitteilen, „das Strom- und Glasfasernetz der Stadtwerke im Münchner Osten angegriffen“ zu haben. Hauptziel der Aktion sei „der Rüstungskonzern Rhode & Schwarz am Münchner Ostbahnhof“ gewesen – tatsächlich wird das Unternehmen „Rohde & Schwarz“ geschrieben.

          Staatsschutz geht von Brandstiftung aus

          Es handelt sich dabei um einen Elektronikkonzern, der auch den Staat mit elektronischer Mess- und Fernmeldetechnik beliefert. Diese wird etwa bei der Flugsicherung, in der Verteidigung und für die Cybersicherheit eingesetzt. Die Unternehmenszentrale von „Rohde & Schwarz“ liegt im vom Stromausfall betroffenen Werksviertel. Mit dem Anschlag sei es „erfreulicherweise“ gelungen, dem Konzern für 24 Stunden „den Saft abzudrehen“, heißt es in dem Schreiben.

          Der ermittelnde Staatsschutz, der noch die Echtheit des Bekennerschreibens prüft, geht von Brandstiftung aus. Bei dem Feuer am frühen Freitagmorgen in einer Baugrube wurden rund 50 Stromkabel der Mittelspannung vollkommen zerstört. In der Folge fielen etwa 150 Trafostationen aus. Für Personen, die etwa aus medizinischen Gründen dringend auf Stromversorgung angewiesen sind, richtete die Feuerwehr eine Notstromversorgung ein.

          Nach dem mutmaßlichen Bekennerschreiben soll der Anschlag auch eine Reaktion auf die geplante Rodung des Forsts Kasten gewesen sein. Der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats hatte am Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, dass ein Teil des Forsts abgeholzt und zum Kiesabbau genutzt werden darf. In dem Schreiben der mutmaßlichen Täter heißt es: „Es ist unsere Antwort auf den jämmerlichen Stadtratsbeschluss, den Forst Kasten abzuholzen, um dort Kies zu fördern. Die Stadtwerke München betreiben weiterhin ein Kohlekraftwerk in Bogenhausen und den Atommeiler Isar 2. Deshalb werden wir auch in Zukunft ihre Infrastruktur angreifen.“

          Seit Ende 2019 hat es in München mehrere Brandanschläge auf Funkmasten und weitere Infrastruktureinrichtungen gegeben, mit einem Sachschaden in Millionenhöhe. Auch da vermuteten die Ermittlungsbehörden die Täter im linksextremen Spektrum, ohne jedoch Personen ausfindig machen zu können. Im bayerischen Verfassungsschutzbericht 2020 heißt es: „Bereits seit längerer Zeit ist eine Enthemmung bei der Begehung linksextremistischer Straftaten zu beobachten.“ Anders als früher finde „szeneintern nahezu keine Diskussion über die Vermittelbarkeit von Gewalttaten mehr statt“.

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