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Beinahe-Absturz : Rechts lenken, linksherum fliegen

Der Jet vom Typ „Global 5000“ auf dem Flughafen Schönefeld im April Bild: dpa

Im April ereignete sich ein Beinahe-Absturz eines Düsenflugzeugs, mit dem auch schon die Bundeskanzlerin geflogen war. Wie konnte es dazu kommen? Nun liegt ein Gutachten vor.

          2 Min.

          Als die beiden Piloten der Flugbereitschaft am Morgen des 16. April ihr Düsenflugzeug in Berlin aus der Inspektion abholten, ahnten sie und auch die Flugbegleiterin nicht, dass der bevorstehende Flug mit der Global 5000 beinahe ihr letzter gewesen wäre. Die schlanke Maschine mit der Kennung 14+01 war ein wichtiges Transportmittel für die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten oder auch den Finanzminister für mittlere Distanzen. Sie hat 13 Sitzplätze, und obgleich der weltweit nachgefragte Bombardier-Düsenflieger klein ist, können die Maschinen fast 9000 Kilometer weit fliegen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Doch 14+01 flog diesmal nur wenige Minuten. Sie werden der Besatzung in lebenslanger Erinnerung bleiben. Denn kurz nach dem Start bemerkten sie, dass ihnen die volle Kontrolle über die Steuerung fehlte. Korrekturen am Steuerknüppel bewirkten das Gegenteil des gewünschten Effekts. Mit mehr oder weniger roher Gewalt und gegen den Willen des ebenfalls irritierten Autopiloten drehten sie um und flogen zurück nach Schönefeld. Dort taumelte die Global einer harten Landung entgegen, ihre Flügel schlugen wild aus, es kam zu Bodenberührungen. Eine fatale, lebensgefährliche Situation.

          Die Ursache dafür ist nun amtlich, denn nun liegt ein Gutachten vor: Nach einer Instandhaltung bei Lufthansa Bombardier Aviation Services war ein wichtiges Bauteil der Flugsteuerung falsch eingebaut worden: „Bei diesen Arbeiten führten Fehler bei der Einstellung von den sogenannten Signalwandlern in Verbindung mit mangelnder Sorgfalt bei der Funktionsüberprüfung zu einer Fehlfunktion.“ Dies sei, so der unabhängige Gutachter, Brigadegeneral Peter Klement, das „unmittelbar auslösende Moment“ des Zwischenfalls gewesen. Die Folge, nach den Worten des Generals Flugsicherheit, „waren Steuereinschränkungen, die die Stabilität des Flugzeugs im Kurvenflug gravierend beeinflusst haben“. Trotzdem sei der Besatzung „eine sichere Landung gelungen“.

          Möglicherweise schrottreif

          Um diese Bewertung zu verstehen, darf man in Betracht ziehen, dass General Klement in seiner eigenen fliegerischen Laufbahn mehr als 1000 Stunden mit dem Starfighter geflogen ist, einem älteren Flugzeugtyp, der seit seiner Einführung in der Bundeswehr 269 Mal abgestürzt ist. Trotz der „sicheren Landung“ wurde „14+01“ durch die Bodenberührung beider Flügel erheblich beschädigt. Es wird erst in Monaten klar sein, ob sich eine Reparatur noch lohnt, Zweifel scheinen begründet.

          Zur Unfallursache gehören Fehler sowohl auf Seiten der Wartungsfirma, die ansonsten einen guten Ruf hat, als auch bei einem oder beiden Piloten. Bei der Instandhaltung war ein größeres Bauteil der Steuerung gewechselt worden. Nachdem es dann zunächst Fehlermeldungen gab, wurde ein weiteres, weniger als zehn Zentimeter großes Bauteil ausgewechselt. Beim Einbau dieses Ersatzteils kam es abermals zu Fehlermeldungen. Die schienen dann aber durch den – wie sich herausstellte falschen – Einbau beseitigt. Das führte dann zu einer spiegelverkehrten Steuerung. Weder nach dem Einbau noch bei der zweiten Überprüfung durch eine weitere Mechaniker-Crew wurde entdeckt, dass, untechnisch gesprochen, die Steuerung auf der Cockpit-Anzeige grün und links blinkte, während die tatsächlichen Spoiler des Flugzeugs nach rechts wiesen. Genauere Überprüfung hätte verhindern können, das dies unbemerkt blieb.

          Aber, und das macht den Fall möglicherweise juristisch noch komplizierter, auch die Piloten hätten die widersprüchliche Steuerung möglicherweise vor dem Start bei ihrer routinemäßigen Überprüfung der Funktionen bemerken können. Allerdings weist der General Luftsicherheit ausdrücklich darauf hin: „Die Klärung der Schuldfrage ist nicht Gegenstand der Untersuchung.“

          Die gute Nachricht: Alle Besatzungsmitglieder haben den Zwischenfall heil überstanden und fliegen wieder.

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