https://www.faz.net/-gpf-8lsyt

Sexismus : Auf den Zusammenhang kommt es an

Die Berliner CDU-Politikern Jenna Behrends wirft ihrer Partei Sexismus vor Bild: dpa

Beleidigungen werden bereits vom Strafrecht geregelt. Bei Witzen ist das schwieriger. Ein Sexismus-Vorwurf kann auch eine Waffe sein. Ein Kommentar.

          Es soll wohl beruhigend wirken, dass sich die Bundesregierung gegen Sexismus ausgesprochen hat. Ist es aber nicht. Es sollte schließlich selbstverständlich sein, dass die Regierung auf dem Boden der Verfassung steht – und hoffentlich nicht nur dort eine „ganz klare Haltung, ablehnende Haltung“ (so der Regierungssprecher) zeigt, wo Frauen „als Frauen“ herabgewürdigt werden.

          Die Bundesfamilienministerin geht noch ein Schrittchen weiter und nennt auch sogenannte Herrenwitze „nicht nur altmodisch, sondern völlig inakzeptabel“. Doch bevor der Justizminister nun deshalb das Strafrecht verschärfen will, sollten sich gerade die Böhmermann-Fans daran erinnern, dass es gerade bei Zoten (aber auch sonst eigentlich immer) auf den Zusammenhang ankommt.

          Was geht, was geht gar nicht?

          Beleidigungen sind Straftaten – und bei Anleihen aus dem Tierreich ist diese Schwelle schnell überschritten. Zudem ist in einem Arbeitsverhältnis überall dort, wo es um Abhängigkeiten geht, jedwede Anzüglichkeit tabu – sie kann eine sofortige Kündigung zur Folge haben.

          Ansonsten aber ist es mit Witzen so eine Sache. Was der eine geschmacklos nennt, findet die andere zum Lachen. Und das Zwischenmenschliche, ja das Zwischengeschlechterliche (falls diese Bezeichnung noch erlaubt ist) ist ja nicht frei von Witz und Ironie – sogar in Berlin-Mitte. Manches geht gar nicht, manches gerade noch – und ist genau deshalb komisch. Die aus der Berliner CDU kolportierten Zitate sprechen für sich. Was geschah genau? Man wüsste es gern zeitnah. Späte Vorwürfe erinnern daran, dass „Sexismus“ in mehrfacher Hinsicht eine Waffe sein kann. Aber das ist für die Bundesregierung wohl zu komplex.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Boris Johnson trifft Kanzlerin Merkel Video-Seite öffnen

          Livestream : Boris Johnson trifft Kanzlerin Merkel

          Am Mittwoch wird der neue britische Premierminister Boris Johnson zu seinem ersten Staatsbesuch in Berlin erwartet. Verfolgen Sie das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Livestream auf FAZ.NET

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.