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Terrorgefahr in Deutschland : Eine stete Bedrohung

  • -Aktualisiert am

Spontan: Am Brandenburger Tor in Berlin versammelten sich am Mittwochabend viele Menschen, um ihrer Trauer und Solidarität Ausdruck zu verleihen. Bild: Reuters

Frankreich, Großbritannien und Spanien sind schon Ziel schwerer Anschläge geworden. Deutschland blieb von größeren Attentaten bisher verschont. Die Sicherheitsbehörden bewerten die Gefahr jedoch als groß.

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          Es war am 14. Juni vorigen Jahres, einem Samstagabend. Die Bundespolizei befand sich „vor der Lage“. Sie wusste, was auf sie zukommen würde, besser gesagt, wer auf sie zukommen würde: der 1983 in Frankreich geborene B., ein Mann, der nach Syrien ausgereist war und sich dort an Kämpfen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) beteiligt hatte. Im Internet hatte B. angekündigt, er werde nach Frankreich zurückkehren. An jenem Samstag war er auf dem Weg dorthin, er hatte einen Flug von Istanbul nach Berlin genommen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Der Mann wurde am Flughafen Tegel festgenommen. Die Gefahr war groß, dass er entweder neue Kämpfer für den Dschihad anwerben oder – schlimmer noch – selbst einen Anschlag verüben wollte. Erst wenige Monate zuvor war ein Franzose, aus dem Nahen Osten kommend, über Frankfurt nach Brüssel gereist und hatte im dortigen jüdischen Museum vier Menschen getötet. Trotz alledem erregte die Festnahme B.s in Berlin nur geringes Aufsehen in Deutschland, es gab kaum öffentliche Reaktionen in der Politik und in den Medien. Es ließ sich ja nicht mit Sicherheit sagen, dass ein Anschlag verhindert worden war.

          Deutschland befindet sich in einer glücklichen, zugleich aber in einer schwierigen Lage. In vielen Nachbarländern hat es seit dem 11. September 2001 Terroranschläge mit einer teilweise großen Zahl von Opfern gegeben. In Spanien, in Großbritannien, in Belgien, in Frankreich – überall wurden Menschen bei Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund getötet. In Deutschland erschoss ein Islamist im Jahr 2011 am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten. Eine Tat, die fast in Vergessenheit geraten ist. Es war der einzige Anschlag, der nicht verhindert werden konnte.

          Nur Glück, dass die Bomben nicht explodierten

          Ansonsten können die Sicherheitsbehörden auf eine beeindruckende Zahl von vereitelten Terrortaten verweisen. Neun Fälle nannte im vorigen November der damalige Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, bevor er in den Ruhestand ging. Der spektakulärste Fall waren die von der sogenannten Sauerlandgruppe geplanten Morde. Nach Hinweisen des amerikanischen Geheimdienstes NSA hatten die deutschen Sicherheitsbehörden die unter Verdacht der Vorbereitung eines Terroranschlags stehenden Islamisten unter Einsatz mehrerer hundert Polizisten beobachtet und in einem Haus im Sauerland festgenommen. Der Fall dient nicht nur den Befürwortern einer Vorratsdatenspeicherung immer wieder als Argument für die Wichtigkeit eines solchen Instruments. Er wird seit dem politischen Streit über das Vorgehen der NSA in Deutschland immer wieder als Begründung dafür angeführt, dass eine enge Zusammenarbeit der deutschen mit den amerikanischen Sicherheitsbehörden von großer Bedeutung für die Sicherheit in Deutschland sei.

          In zwei Fällen hatten die Behörden schlicht Glück, weil vorbereitete Sprengsätze nicht explodierten. Das war einmal der Fall des sogenannten Kofferbombers. Im Sommer 2006 hatte ein später zu lebenslanger Haft verurteilter Libanese in Koblenz eine Bombe deponieren wollen. Sie funktionierte nicht. Einen ähnlichen Fall gab es sechs Jahre später am Bonner Hauptbahnhof, als ebenfalls Sprengladungen nicht explodierten.

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