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„Begleitetes Fahren“ : Kabinett billigt Führerschein mit 17 Jahren

  • Aktualisiert am

Schon mit sechzehneinhalb Jahren sollen Jugendliche künftig mit der Fahrschule beginnen können Bild: Marcus Kaufhold

Jugendliche sollen von 2011 an schon mit 17 Jahren den Führerschein machen können. Bis zu ihrem 18. Geburtstag dürfen sie allerdings nur in Begleitung registrierter Beifahrer fahren.

          Von 2011 an sollen Jugendliche grundsätzlich mit 17 Jahren den Führerschein machen und in Begleitung erfahrener Beifahrer Autofahren können. Das Kabinett stimmte am Mittwoch dem Vorschlag von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zu, das „begleitete Fahren mit 17“ zum Dauerrecht zu machen. Er soll die bisher befristeten Modellprojekte der Bundesländer zum 1. Januar auf Dauer ablösen. Dem Gesetzentwurf müssen nun noch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Beim „begleiteten Fahren“ kann ein Jugendlicher bereits mit 16,5 Jahren mit dem Fahrunterricht beginnen und mit 17 Jahren den Führerschein machen.

          Er darf bis zur Volljährigkeit aber nur Autofahren, wenn eine registrierte Begleitperson daneben sitzt. Diese Begleitperson muss mindestens 30 Jahre alt und mindestens fünf Jahre im Besitz eines Pkw-Führerscheins sein. Auch darf sie nicht mehr als drei Punkte im Flensburger Zentralregister haben. Das „begleitete Fahren mit 17“ war 2004 zunächst als Modellversuch in Niedersachsen eingeführt worden. Andere Bundesländer hatten nachgezogen.

          Mittlerweile dürfen Jugendliche überall in Deutschland schon mit 17 Jahren die Fahrerlaubnis erwerben. Die Modellphase läuft aber Ende dieses Jahres aus. Untersuchungen des Bundesamtes für Straßensicherheit haben nach Ramsauers Angaben gezeigt, dass durch das „begleitete Fahren ab 17“ die Zahl der Unfälle deutlich ab- und die Verkehrssicherheit zunimmt. Seit dem Start des Modellversuchs im Jahr 2004 haben dem Ministerium zufolge rund 380.000 Menschen von der Möglichkeit des „begleiteten Fahrens“ Gebrauch gemacht, mit von Jahr zu Jahr steigenden Teilnehmerzahlen.

          Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren haben das höchste Unfallrisiko

          „Das Modellvorhaben hat gezeigt, das begleitete Fahren verbessert die Fahrkompetenz der Fahranfänger erheblich“, sagte Ramsauer in Berlin. Deshalb solle aus dem Modell nun ein Dauerrecht werden. Nach einer von Ramsauers Ministerium vorgelegten Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen sind Teilnehmer des Modellversuchs nach Beginn des selbstständigen Fahrens um 22 Prozent weniger an Unfällen beteiligt als 18-Jährige, die ihren Führerschein auf die bislang übliche Art erworben haben. Der Anteil der Verkehrsverstöße ist um 20 Prozent geringer. Nach Angaben des ADAC haben Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren bislang das höchste Unfallsrisiko. Dieses Risiko könne deutlich gemildert werden, wenn zuvor kontrolliert Fahrpraxis erworben werde, erklärte der ADAC am Mittwoch. Als „erfolgreichste Maßnahme zur Reduzierung des Unfallrisikos junger Fahrer, die es in der Bundesrepublik je gab“, lobte der Präsident der Deutschen Verkehrswacht, Kurt Bodewig, den Führerschein ab 17.

          Der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Lehmer, erklärte, das begleitete Fahren ab 17 sei „nicht nur sehr praktisch für junge Erwachsene“, sondern erhöhe die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker forderte zudem weitere Reformen bei der Führerscheinausbildung. Er sprach sich für eine längere Ausbildungszeit aus. Zudem verwies Becker auf Erfahrungen aus Österreich, wo durch verkehrspsychologische Schulungen und fahrpraktische Übungen nach dem Erhalt der Fahrerlaubnis die Zahl der Verunglückten um elf Prozent gesenkt worden sei.

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