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Beginn der fünften Jahreszeit : Der elfte Elfte elf

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Su simmer all he hinjekumme: Die Urkölner Band „Bläck Fööss“, 2009 Bild: Sonntag, Florian

Für Eingeweihte des Karnevals hat dieser Tag, den es nur alle hundert Jahre gibt, etwas Magisches. In Köln werden bis zu 100.000 Jecken erwartet.

          5 Min.

          Im Rheinland war der 11. November 1969 ein sonnig-wolkiger Tag. Im Bundestag in Bonn trafen sich drei Sozialdemokraten: Horst Ehmke, soeben ernannter Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, Herbert Ehrenberg, einer der Abteilungsleiter dort, und der Bewerber Günter Guillaume, ein SPD-Funktionär aus Frankfurt. Der beschrieb zehn Jahre später das Treffen so: "Die Vorstellung beim Kanzleramtschef in Bonn ging ruck, zuck ohne große Förmlichkeiten vonstatten, ganz in dem Stil, der während der ersten Monate für die neue Regierung typisch war. Ehrenberg nahm mich mit in die Lobby des Bundeshauses. Es war der 11. 11. 1969 - für die Uhrzeit kann ich mich nicht verbürgen. Ehmke begrüßte uns mit einem Wink und nahm uns mit ins Beratungszimmer der Fraktion. Hier erfolgte die Vorstellung. Nur wenige Worte wurden gewechselt. Horst Ehmke musterte mich. ,Wir müssen Schwung in den Laden bringen. Darüber musst du dir im klaren sein!' Dann ebenso flott zu Ehrenberg: ,Also in Ordnung! Wenn du den Mann haben willst, bitte! Aber fangt mit der Arbeit bald an!'" Ehrenberg sollte später Arbeitsminister, Guillaume Spion werden.

          „Alaaf zosamme“

          Auch anderswo wurde Geschichte gemacht, womöglich gleichzeitig, jedenfalls am späteren Vormittag dieses Tages, in der verwinkelten Kölner Altstadt. Die war da noch nicht wie heute touristisch aufgepeppt, sondern verrucht und seit dem Krieg auch verkommen. 200 Leute sollen es gewesen sein, wie heutzutage erzählt wird, die sich im Geviert eines Plätzchens, Ostermann-Platz genannt, getroffen haben, zwischen der Salzgasse und der Lintgasse, nicht weit vom Hänneschen-Theater, im Schatten von Groß St. Martin. Die Leute sangen ein paar kölsche Lieder, gefühlig und altbacken, von und im Gedenken an Willi Ostermann, und sie standen um einen Brunnen, der den Namen des großen Sohnes der Stadt trug. Sie sangen natürlich auch Ostermanns Köln-Hymne. "Wenn ich su an ming Heimat denke un sin d'r Dom su vör mir ston, mööch ich direk op Heim an schwenke, ich mööch zo Foß no Kölle gon." Ostermann war 1936 gestorben, und die Hymne sollte später zum Lieblingslied der deutschen Kriegsgefangenen werden. Bestimmt haben die Leute ein paar Kölsch getrunken, sich untergehakt ("geschunkelt") und eine Träne verdrückt. Theo Burauen, der Oberbürgermeister, hielt eine Rede und fragte: "Soll ich euch 'ne klassische Nachwahl-Rede halten?" "Ja", mögen die Leute gerufen haben. "Alaaf zosamme", habe der Oberbürgermeister gerufen, berichtete tags darauf der "Kölner Stadtanzeiger". Und völlig aus dem Häuschen waren die Leute, als die 70 Jahre alte Elisabeth Schlapack die Bühne betrat, die im Hause Ostermann gekocht hatte. Dort sei nicht geraucht und nur wenig getrunken worden: "Nur, wenn es was zu feiern gab."

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