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Kriminalität und Zuwanderung : Begehen Flüchtlinge mehr Sexualstraftaten?

  • -Aktualisiert am

Meistens junge Männer

Thomas Feltes, Kriminologieprofessor an der Uni Bochum, beschäftigt sich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik. Er sagt, die Taten würden nur unzureichend erfasst. Viele Tatverdächtige hätten zum Beispiel keine Papiere. Dadurch würden die Daten ungenau. Außerdem seien etwa zwanzig Prozent der Polizeilichen Kriminalstatistik unzuverlässig. Daten würden falsch eingegeben, Delikte falsch zugeordnet. Das Problem der sexuellen Übergriffe durch Flüchtlinge auf Frauen in der Öffentlichkeit wird seiner Meinung nach überschätzt. Die Mehrzahl der Gewalttaten durch Flüchtlinge spiele sich in Flüchtlingsunterkünften ab. Feltes wertet derzeit die Daten verschiedener Städte aus. Er guckt sich jeden Stadtteil einzeln an, um untersuchen zu können, ob es einen Anstieg von Straftaten durch Flüchtlinge gibt.

Kann man dann die Frage, ob Flüchtlinge überproportional viele Sexualstraftaten begehen, überhaupt beantworten? Schon, aber die Antwort bleibt ungenau. Man müsste vergleichen können, wie hoch der Anteil von deutschen Sexualstraftätern ist (im Verhältnis zur deutschen Bevölkerung) und wie hoch der Prozentsatz der Flüchtlinge ist, die Sexualstraftaten begehen, im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl. Die kennt man aber gar nicht so genau. Wenn man aber davon ausgeht, dass Flüchtlinge in Deutschland ein bis zwei Prozent der Bevölkerung stellen, bei schweren Sexualstraftaten aber knapp 15 Prozent der Tatverdächtigen, dann ist das eben deutlich überproportional.

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Dabei muss man, neben der höheren Anzeigebereitschaft der Opfer, Folgendes beachten: Die meisten Asylbewerber, die ab 2015 nach Deutschland kamen, sind junge Männer. Das ist die Bevölkerungsgruppe, die überall auf der Welt die meisten Straftaten begeht. Wenn diese jungen Männer dann noch losgelöst von Familienstrukturen und Autoritäten gemeinsam mit Gleichaltrigen unterwegs sind, steigt das Risiko, das von ihnen ausgeht. Der Kriminologe Pfeiffer drückt es so aus: „Ihnen fehlt das zivilisierende Element der Ehefrauen, Schwestern und Mütter. Sie kommen aus Machokulturen und sind das freie Verhalten von deutschen Frauen nicht gewöhnt. Sie empfinden es schon als ein provokatives Verhalten, wenn eine Frau im Sommer mit kurzem Rock und T-Shirt herumläuft.“

Frust und Aggression

Pfeiffer arbeitet an einer Studie, die einige Löcher in den Polizeistatistiken stopfen soll. So soll die Kategorie „Zuwanderer“ genauer beschrieben werden. Mit einem Team von Kriminologen hat er festgestellt, dass es große Unterschiede zwischen den Flüchtlingsgruppen gibt. Er teilt sie in zwei Gruppen auf. „Zu den Ersten sagen wir: Ja, euch haben wir gemeint, ihr dürft hier bleiben, Sprachkurse machen und erfahren, dass bei uns Männer und Frauen gleichrangig sind.“ Die halten sich meist an die Regeln, denn sie wissen, dass jede polizeiliche Auffälligkeit ihre Chancen senkt, mit dem Asylantrag durchzukommen. Die andere Gruppe hingegen erfährt bald nach ihrer Ankunft, dass sie hier keine Chance hat. Das erzeugt Frust und Aggression.

Dort lauert Gewalt, auch sexuelle Gewalt. Das Problem lässt sich nur lösen, indem man abgelehnte Asylbewerber konsequenter in ihre Heimatländer zurückbringt. Sie dorthin abzuschieben ist eine Möglichkeit; allerdings wehren sich viele Asylbewerber mit Klagen dagegen. Eine andere Möglichkeit ist, sie zur freiwilligen Rückkehr zu bewegen. „Eine Rückkehr erhobenen Hauptes“, so nennt es Pfeiffer. Für die Ungewollten müsse die Rückkehr eine attraktive Lösung werden. Das bringe innere Sicherheit.

Dem Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung kann man nur begegnen, wenn man selbst genügend weiß. Die frühere Polizistin und Grünen-Abgeordnete Irene Mihalic fordert einen Sicherheitsbericht, der regelmäßig aktualisiert wird, um die Polizeiliche Kriminalstatistik und weitere Zahlen wissenschaftlich einzuordnen. Wie sind diese Delikte zu bewerten? Wer begeht sie? Welche räumlichen Bezüge gibt es? Wo passiert viel, wo passiert nichts? Dann, sagt Mihalic, könne die Polizei diese Straftaten auch besser bekämpfen.

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