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Beethovens Neunte : Ein Musikstück macht politische Karriere

Freude mit Beethoven: Zehnkämpfer Willi Holdorf, Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 Bild: Picture-Alliance

So lange es während der Teilung Deutschlands gesamtdeutsche Olympiamannschaften gab, musste eine für beide passende Hymne gefunden werden. Kleinster gemeinsamer Nenner: Beethovens Ode an die Freude.

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          Die Bundesregierung wollte ihre Sportler nicht aus Ruinen auferstehen lassen und damit die Existenz zweier deutscher Staaten anerkennen. Die Führung in Ost-Berlin wiederum mochte die ihren nicht das Loblied auf Einigkeit und Recht und Freiheit anstimmen lassen und ihre Staatsräson in Frage stellen. Und so wurden alle Menschen Brüder, zumindest solange sich Sportler der gesamtdeutschen Mannschaft über eine olympische Goldmedaille freuen konnten.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Denn weil keiner der beiden deutschen Staaten die Hymne des jeweils anderen akzeptieren wollte, erklang zur Verleihung eine Instrumentalversion der „Ode an die Freude“ aus dem vierten Satz von Beethovens neunter Symphonie: „Freude, schöner Götterfunken“ – von den Sommerspielen in Melbourne 1956 bis zu jenen in Tokio 1964.

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