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Bedrohte Politiker : „Wir alle schauen uns heute zweimal mehr um“

  • -Aktualisiert am

Absperrung nach einem Anschlag im Oktober 2015 auf Henriette Reker, Kölner Oberbürgermeisterin Bild: dpa

Politiker werden massiv bedroht, so beschreibt es Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig und Präsident des Deutschen Städtetags. Er vermisst eine klarere Haltung des Staates.

          Herr Jung, nach dem mutmaßlichen Mord von Rechtsextremen an Walter Lübcke wird über Angriffe auf Politiker diskutiert. Leben Politiker heute gefährlicher als vor zehn, 15 Jahren?

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Wende war eindeutig 2015. Infolge der Diskussion um Flüchtlinge und Asyl hat es eine unglaubliche Zunahme an Beleidigungen und Verleumdungen gerade auch gegen Kommunalpolitiker gegeben, bis hin zu Morddrohungen und Gewalt. Das läuft über die Kommentar-Funktionen der örtlichen Zeitungen, über Facebook, Twitter, über Anrufe, E-Mails und Briefe, meist ohne Absender. Gerade in kleineren Städten und Gemeinden ist es besonders bedenklich, weil dort die Öffentlichkeit weiß, wo der Bürgermeister wohnt, die Frau arbeitet und die Kinder zur Schule gehen. Dieses Wissen wird auch schamlos im Internet verbreitet, Politiker werden an den Pranger gestellt und ihre Familien bedroht. Das sind keine Einzelfälle, das geschieht fast flächendeckend in ganz Deutschland, und in der Mehrzahl der Fälle kommen die Täter aus dem rechtsradikalen Spektrum.

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          Morddrohungen gegen Politiker

          Nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sind in den vergangenen Tagen bei mehreren Politikern in Deutschland Morddrohungen eingegangen. Unter den Bedrohten sind auch Personen, die selbst schon einmal angegriffen wurden. Eine gleichlautende E-Mail ging in der Nacht zu Mittwoch bei der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und beim Bürgermeister von Altena im Sauerland, Andreas Hollstein (CDU), ein. In dem Schreiben wird die Hinrichtung der beiden Kommunalpolitiker angekündigt. Reker hatte kurz vor ihrer Wahl 2015 einen Messerangriff eines Rechtsextremen nur knapp überlebt; in ihrer damaligen Funktion als Kölner Sozialdezernentin war Reker für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig gewesen. Hollstein, der sich in Altena seit langem für Einwanderer einsetzt, war Ende 2017 von einem Mann mit einem Messer leicht am Hals verletzt worden. „Ich steche dich ab. Mich lässt du verdursten, aber holst 200 Ausländer in die Stadt“, hatte der arbeitslose Täter bei seinem Angriff gesagt.
          In dem Droh- und Erpressungsschreiben, die der anonyme Verfasser nun an Reker und Hollstein sandte, heißt es, mit Walter Lübcke sei die „Phase bevorstehender Säuberungen“ eingeleitet worden. „Es werden ihm noch viele weitere folgen. Unter anderem Sie beide.“ Sollten nicht bis Ende August 100 Millionen Euro in der Internetwährung Bitcoin gezahlt werden, werde das Leben Rekers und Hollsteins im Jahr 2020 enden. Der elektronische Brief endet mit den Worten „Sieg Heil und Heil Hitler“.
          Erst vor wenigen Tagen hatten sich sowohl die Kölner Oberbürgermeisterin als auch der Altenaer Bürgermeister zum Fall Lübcke geäußert. Reker hatte zu mehr Engagement für eine offene Gesellschaft aufgerufen, Hollstein hatte gesagt, gegen den oder die Mörder Lübckes müsse „mit der ganzen Härte des Rechtsstaats“ vorgegangen werden. Hollstein sagte dieser Zeitung, dass er auch schon vor dem Mittwoch „immer mal wieder Drohungen und viele Hass-E-Mails bekommen“ habe.
          Schon im Jahr 2016 ergab eine unter 1000 Bürgermeistern durchgeführte Umfrage des „Kommunal“-Magazins, das mit dem Städte- und Gemeindebund kooperiert, dass in fast jeder zweiten Kommune Bürgermeister, Mitarbeiter oder Gemeinderäte persönlich beschimpft oder beleidigt worden seien. Fünf Prozent berichteten von körperlichen Angriffen. Etwa jeder fünfte Befragte hatte schon Hass-E-Mails bekommen oder Einschüchterungsversuche erlebt. Derzeit werden wieder Politiker befragt, die Ergebnisse liegen Anfang nächster Woche vor. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Situation verschärft hat. Einige Politiker zogen Konsequenzen aus den Anfeindungen: Der SPD-Vorsitzende im nordrhein-westfälischen Bocholt trat zurück, nachdem er Hunderte Hass-E-Mails bekommen hatte, er und seine Familie beschimpft und mit dem Tod bedroht worden waren. Der Landrat des hessischen Main-Kinzig-Kreises beschloss, nicht mehr für sein Amt anzutreten, weil er jede zweite Woche einen Drohbrief bekommen hatte. (reb./moja.)