https://www.faz.net/-gpf-8j5g6

„Deutsche Nationalmannschaft“ : AfD-Politikerin von Storch sorgt für Twitter-Eklat

  • Aktualisiert am

Beatrix von Storch Bild: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft ist gegen Frankreich ausgeschieden. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat dafür eine ganz eigene Meinung – und sorgt mit einem Tweet für einen Eklat.

          Warum ist die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstag im EM-Halbfinale ausgeschieden? Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat dafür ihre ganz eigene Erklärung: „Vielleicht sollte nächstes mal dann wieder die deutsche NATIONALMANNSCHAFT spielen?“, twitterte die Politikerin am späten Donnerstagabend nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft gegen Frankreich.

          Damit spielte von Storch nach Meinung einiger auf die deutschen Spieler mit Migrationshintergrund an. Unmittelbar vor dem Start der Europameisterschaft hatte bereits der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland mit einer Äußerung für Schlagzeilen gesorgt, Jérôme Boateng werde im eigenen Land als fremd empfunden. „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, sagte Gauland der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. „Dummheit pur“, schrieb etwa Ralf Stegner, der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. Und der Satiriker Jan Böhmermann appellierte an seine Follower: „Lasst uns alle zusammenhalten und Beatrix von Storch einfach mal ignorieren.“ Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet kommentierte „Griesgrämige Spielverderber“. 

          Henkel: Aussagen “widerlich und unpatriotisch“

          Auch bei anderen Politikern lösten von Storchs Äußerungen wütende Reaktionen aus. „Die AfD missbraucht weiter den Sport, um sich in rassistischen Ressentiments suhlen zu können“, erklärte Berlins CDU-Landeschef Frank Henkel. Ihre Aussagen seien „widerlich und unpatriotisch“. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu schrieb: „Beschämend für unser Land.“ Andere Kommentatoren kritisierten dagegen eine reflexhafte Empörungswelle, die Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten sei. 

          Am Freitagmorgen wurde der Tweet von der Seite von Storchs wieder gelöscht. Auf Facebook erklärte sie, ihr Tweet habe sich auf den Namen der Mannschaft bezogen und nicht auf einzelne Spieler. Die DFB-Elf firmiert seit einiger Zeit nur noch unter dem Namen „Die Mannschaft“. Auf Facebook erklärte sie: „Ich nenne sie weiter Nationalmannschaft. Denn das ist sie, mit allen ihren Spielern. Und wenn Bild & Co das Bedauern über den politisch korrekten, weil entnationalisierten Namen als rassistische Hetze abtut, dann ist denen nicht mehr zu helfen."

          Der Eklat dürfte wohl kalkuliert sein. Schon Ende Januar provozierte Beatrix von Storch über soziale Medien einen Skandal mit der Forderung nach Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an der Grenze.

          Weitere Themen

          In der Blase der Provokateure

          FAZ Plus Artikel: Terrorismus im Netz : In der Blase der Provokateure

          Kurz vor seinem Attentat in Christchurch hatte Brenton Tarrant seinen Plan im Netz angekündigt – und bekam begeisterten Zuspruch. Der islamfeindliche Terrorist in Neuseeland wurde durch die Trollkultur im Internet beeinflusst.

          Was passiert nach dem Brexit? Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Was passiert nach dem Brexit?

          Eine Verschiebung des Brexits wird immer wahrscheinlicher. Beim bevorstehenden EU-Gipfel befassen sich die EU-Staats- und Regierungschefs mit dem Zeitplan für den britischen EU-Austritt. Die Videografik erklärt, wie ein Austritt aus der EU funktionieren soll.

          Erdogan droht nach Moschee-Attentat mit Vergeltung Video-Seite öffnen

          Erste Opfer beigesetzt : Erdogan droht nach Moschee-Attentat mit Vergeltung

          Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sorgen für Unmut in der neuseeländischen Regierung. Erdogan hatte die Anschläge als Angriffe auf den Islam und auf die Türkei verurteilt und drohte Menschen mit antimuslimischer Gesinnung Vergeltung an.

          Topmeldungen

          Brexit-Frist : May will angeblich Aufschub von drei Monaten

          Nach Medienberichten will die britische Regierung die EU bitten, den Austrittstermin nur ein wenig zu verschieben. Kommissionspräsident Juncker verlangt dafür eine kaum zu erbringende Vorleistung: Das Parlament soll dem Brexit-Abkommen zustimmen.
          Svenja Flaßpöhler und Florian Werner: „Ich jedenfalls war pappsatt von der körperlichen Zuwendung der Kinder“

          Eltern-Interview : „Nichts am Kinderkriegen ist harmlos“

          Verändert Nachwuchs die Liebe? Wo bleibt die Freiheit? Und was können nur Väter? Die Philosophin Svenja Flaßpöhler und ihr Mann, der Schriftsteller Florian Werner, ergründen das Elternsein.
          Krankenkassen sollten die Kosten wirksamer Grippeimpfungen nicht scheuen.

          Zweiklassen-Medizin? : Grippostatisch

          Im vergangenen Winter gerieten Ärzte in eine Zwickmühle: Der empfohlene Grippe-Impfstoff wurde von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Wer sich für Patientenschutz entschied, kämpft nun gegen Rückzahlungsforderungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.