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Beatrix von Storch : Die Protestunternehmerin

Beatrix von Storch: Stellvertretende Vorsitzende der AfD Bild: Dominik Gierke

Beatrix von Storch ist der Politprofi im rechtskonservativen Lager. Aber sie agiert nicht allein. Mit ihrem Mann hat sie ein Netzwerk aufgebaut. Nun ist sie bei der AfD ganz vorn dabei.

          Beatrix von Storch trägt ein blaues Jackett mit aufgenähten Ellbogenschonern, dazu eine weiße Bluse mit vielen bunten Streifen. Ihr burschikoses Aussehen passt gut zu der Gegend um die Zionskirchstraße in Berlin-Mitte, in der scheinbar unangepasste Menschen die Cafés, Kneipen und alternativen Läden bevölkern. Hier im Wahlbezirk, in dem Storch wohnt, erreichte die „Alternative für Deutschland“ im vergangenen Jahr bei der Europawahl keine vier Prozent, die Grünen bekamen fast 33. Beatrix von Storch lebt, politisch gesehen, im Feindesland. Und sie erzählt nicht ohne Stolz, dass linke Gruppen, die „Antifa“, Flyer gegen sie in der Nachbarschaft verteilten und vor ihrem Haus Stellung bezogen. Die Polizei riet ihr, ihre Klingelschilder abzumontieren und die Wohnung für einige Stunden zu verlassen. So schlimm war es dann aber nicht, die Demonstranten zogen bald wieder ab.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Schlimm ist eher, was ihrer Partei passierte. Die AfD hat sich kürzlich gespalten, Alfa heißt der neue Ableger um den Parteigründer Bernd Lucke. Für Storch hat die Spaltung allerdings Vorteile gebracht. Sie ist nun stellvertretende Bundesvorsitzende, der nationalkonservative Flügel, zu dem sie gehört, hat nun die ganze Macht. Mit ihren Themen entfachte Storch, im Umgang eher kühl, in der AfD aber zuvor schon Begeisterung. Das ist vor allem ihr Kampf gegen den „Gender-Wahn“. Durch „Gender Mainstreaming“, kritisiert sie, soll das biologische Geschlecht von Mann und Frau durch ein soziales Geschlecht ersetzt werden. Jegliche staatliche Förderung für Gender Studies müsse gestrichen werden, fordert sie. Auch macht sie sich für die traditionelle Familie - Vater, Mutter, Kind - stark. Daraus entspringt ihr Engagement gegen die „Ehe für alle“, also die Homo-Ehe. Denn Ehe ist nach ihrer Auffassung nur das, was die Möglichkeit zur Fortpflanzung bietet. Und für Kinder sei es eben am besten, mit Vater und Mutter aufzuwachsen. Deshalb sollten gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder adoptieren.

          Storch wendet sich auch gegen Abtreibungen, die sie im Grundsatz verboten sehen möchte. Beim „Marsch für das Leben“ ist die Protestantin mehrfach in der ersten Reihe mitgegangen. Da bekomme man den Hass der Republik zu spüren, sagt sie. Auch die Frühsexualisierung von Kindern, die in den Schulen betrieben werde, treibt die Politikerin um. Die Kampagne „Machs mit“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die auf Großflächenplakaten für den Gebrauch von Kondomen wirbt, lehnt sie ab. Dadurch würden Jugendliche zum Sex aufgefordert. Sich zu schützen vor ungewollter Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten und Aids sei auch anders möglich. Beatrix von Storch schlägt eine öffentliche Kampagne vor: „Schützt euch, indem ihr enthaltsam seid.“

          Die 44 Jahre alte Politikerin, die mit Mädchennamen Beatrix Herzogin von Oldenburg hieß, hat selbst keine Kinder. In ihrem privaten Umfeld, in dem es viele ehemals adelige Familien gibt, sind allerdings drei, vier, fünf oder mehr Kinder normal. Bei einem Familienfest der von Oldenburgs kommen schnell mal 300 Gäste zusammen. Sie macht sich für die Anliegen auch dieser Familien stark, sozusagen als die kinderlose Kämpferin für die Kinderreichen.

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