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Beatrix von Storch : Die Protestunternehmerin

Das Paar wollte es nicht bei dem Einsatz für enteignete Grundbesitzer belassen, sondern Politik machen. Es baute ein Netz von Kontakten auf, zunächst unbemerkt von der Öffentlichkeit. Sie schufen dafür einen Verein, die „Zivile Koalition“. Er ist die Basis für zahlreiche weitere Initiativen und Websites. Als „neue Kraft des bürgerlichen Lagers“ beschrieb Sven von Storch ihn im März 2009. Die „Zivile Koalition“ bezeichnete er als „die größte organisierte, zivilgesellschaftliche und staatlich unabhängige Reformbewegung in Deutschland“. Sie habe 2000 Fördermitglieder, „nur vier Monate nach dem Start“. Sprachrohr des Vereins ist die Internetzeitung Freie Welt, deren Herausgeber Sven von Storch ist. Als Nachrichtenseite aufgemacht, bietet sie konservativen Publizisten Raum für Blogs und Kommentare. Für den intellektuellen Anspruch steht das „Institut für strategische Studien“ (ISSB), dessen Direktor Sven von Storch ist. Mitunter führte die Freie Welt ein Interview mit dem Direktor des ISBB, Sven von Storch. Die „Zivile Koalition“ ist zugleich Trägerverein für allerlei Vereine und Websites: eurocheck.de, abgeordnetencheck.de, Initiative Familienschutz, Entscheidung fürs Leben und andere mehr.

Das Ehepaar Storch stellt den Vorstand der „Zivilen Koalition“. Mitglieder hat der Verein wenige; wie viele, daran will sich Beatrix von Storch nicht erinnern, zehn oder 15. Genannt hatte sie einmal sieben, das ist die erforderliche Mindestzahl. Das waren neben dem Ehepaar selbst der Vater und die Mutter von Beatrix von Storch, ein Cousin und zwei weitere Bekannte. Vor zwei Jahren war der Verein, der nach Storchs Angaben 14 Mitarbeiter hat, in die Schlagzeilen gekommen, weil knapp 100.000 Euro von einem Konto fehlten. Die sollen aber nicht verlorengegangen, sondern nur in ein Bankschließfach umgezogen sein, weil das Geld auf der Bank wegen der Euro-Krise nicht sicher gewesen sei.

Von der Kritik am Euro beflügelt

Sie selbst hat, bevor sie ins Europaparlament gewählt wurde, von Ersparnissen gelebt, wie sie sagt - schließlich habe sie zehn Jahre lang als Rechtsanwältin gearbeitet, bevor sie sich ganz der Politik widmete. Und ihr Mann erhalte als Geschäftsführender Vorstand von der „Zivilen Koalition“ ein Gehalt von 1000 Euro monatlich. Der Verein lebt von Spenden. Beatrix von Storch spricht von 100.000 Unterstützern. Nachprüfen lässt sich das nicht. Um Spenden wird jedenfalls regelmäßig geworben. Alle zwei bis drei Monate, so berichten Unterstützer, erhalten sie per Postbrief eine Erinnerung mit einem Überweisungsträger. Mancher Gesinnungsfreund aus konservativen Kreisen gibt zu, schon mehrfach gespendet zu haben, auch schon einmal 5000 Euro, „damit die Aktion gegen die Euro-Rettungspolitik in Schwung kommt“.

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