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Beatrix von Storch : Die Protestunternehmerin

Sie reist durchs Land, er arbeitet im Hintergrund

Geheiratet hat Beatrix von Storch vor fünf Jahren. Warum sie ihren Mann, mit dem sie zuvor schon 17 Jahre lang zusammen war, erst so spät ehelichte? Dazu möchte sie nichts sagen. Die Hochzeit war ein lokales Ereignis. Die von Oldenburgs sind, anders als die von Storchs, ganz alter hoher Adel. Aufgewachsen ist sie auf dem Land in Schleswig-Holstein, wenige Häuser gab es in Kisdorf im Kreis Segeberg. Der Vater war Bauingenieur. Die Familie machte Urlaub in Westerland auf Sylt und in Dänemark. Beatrix besuchte das benachbarte Gymnasium, spielte Tennis im lokalen Verein, alles gut bürgerlich. Unpolitisch war das Elternhaus nicht, als „adlige“ Familie war man konservativ. Regelrecht politisiert wurde sie aber erst durch ihre Bekanntschaft mit ihrem heutigen Mann, Sven von Storch. Der studierte Betriebswirtschaft, sie Jura - beide waren Anfang zwanzig und wurden ein politisches Paar. Sie sind es bis heute.

Mehr noch: Beatrix von Storch ist eigentlich nur denkbar als Teil des Politikunternehmens Storch und Storch. Von der Zionskirchstraße 3 aus übt das Paar erheblichen Einfluss im liberal- und rechtskonservativen Milieu Deutschlands aus. Sie agiert als öffentliche Rednerin, die das Land bereist und im Europaparlament sitzt, er ist der Mann im Hintergrund, der sich um Strategie, Organisation und die vielfältigen Aktivitäten im Internet kümmert. Beatrix von Storch hat ihn schon als die treibende Kraft in ihrem Zweierbund bezeichnet.

Sven von Storch wuchs als jüngster von vier Brüdern in Chile auf. Der Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin übergesiedelt, nachdem das Gut der Familie in Mecklenburg in der sowjetischen Besatzungszone enteignet worden war. In der elften Klasse besuchte Sven von Storch eine Schule in Deutschland, nach dem Abitur in Chile kam er dann zum Studium hierher und blieb. Die Wiedervereinigung brachte auch einen seiner drei Brüder nach Deutschland. Der kaufte das alte Familiengut in Alt Karin in Mecklenburg, baute es nach und nach wieder auf. Der Bruder, Vater von vier Kindern, kam beim Absturz seines Helikopters in der Nähe des Gutshauses ums Leben.

Das Paar wollte Politik machen

Das erste politische Projekt, das Sven von Storch und seine damalige Freundin Beatrix von Oldenburg aus der Taufe hoben, hatte mit dem Storch’schen Schicksal der Enteignung zu tun. In dem Verein „Göttinger Studenten für den Rechtsstaat“ protestierten sie gegen die Weigerung der Regierung Kohl, den zwischen 1945 und 1949 in der sowjetischen Besatzungszone enteigneten Grundbesitzern ihre Güter wiederzugeben. Sie knüpften damals Kontakte zu liberal-konservativen Publizisten, wie dem ehemaligen F.A.Z.-Redakteur Klaus Peter Krause, der sie über viele Jahre beriet und der heute ebenfalls in der AfD aktiv ist.

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