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Gedenken an den Holocaust : „Kehren Sie zurück“

Charlotte Knobloch spricht zum Gedenkakt des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus – woraufhin die Fraktion der AfD den Saal verließ. Bild: dpa

Die AfD verlässt den Bayerischen Landtag während einer Rede zum Gedenken an den Holocaust – das hat es noch nicht gegeben. Bemerkenswert ist die Debatte, die darauf folgt.

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          Vor fünf Tagen hielt Charlotte Knobloch im Bayerischen Landtag eine Rede, die gleich doppelt bemerkenswert war – wegen ihres Inhalts und wegen der Reaktionen darauf. Inzwischen ist daraus eine grundsätzliche Debatte über die deutsche Vergangenheit und die Rolle der AfD geworden. Knobloch wendete sich am Ende ihrer Ansprache frontal gegen die Partei. Die AfD-Fraktion zog, noch während Knobloch sprach, aus dem Saal aus. Etwas Vergleichbares hat es noch nie gegeben – höchstens einmal, als die NPD 2005 den Sächsischen Landtag verließ, bevor dort der Opfer des Holocaust und der Bombardierung Dresdens gedacht wurde. Nun giftet die AfD gegen Knobloch und scheint dabei alles Maß zu verlieren. Knobloch aber, mit ihren 86 Jahren unverdrossen kämpferisch, hält dagegen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Charlotte Knobloch ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Von 2006 bis 2010 war sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. In den Münchener Landtag wurde sie von Landtagspräsidentin Ilse Aigner eingeladen, als Gastrednerin für die traditionelle Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust. Knobloch kam zusammen mit zwei weiteren Zeitzeugen. Sie sprach zwölfeinhalb Minuten lang. Sie erzählte aus ihrer Kindheit. Als die Nationalsozialisten an die Macht gelangten, war sie noch keine drei Jahre alt. Sie habe damals erleben müssen, dass „von einem Tag auf den anderen bis dahin geachtete Mitglieder der Gesellschaft auf einmal als Volksverräter galten“. Ihr Vater etwa sei „zeitlebens ein bayerischer Patriot gewesen und wurde doch im Handumdrehen verstoßen“. Am Ende sei es vor allem dem Glück zu verdanken gewesen, dass sie und ihr Vater überlebt hätten. Und einigen wenigen Menschen, die den Mut gehabt hätten, ihnen zu helfen. Sie selbst wurde auf einem Bauernhof versteckt und als katholisches Mädchen ausgegeben. „Ich habe damals alles verloren, meine Liebsten, mein Zuhause, mein Vertrauen in die Welt und die Menschen.“

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