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Bewerbung um CSU-Vorsitz : Söders Reifeprüfung

  • -Aktualisiert am

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Bild: dpa

Auf seiner ersten Pressekonferenz als offizieller Bewerber um den CSU-Vorsitz macht Markus Söder einen gut sortierten Eindruck. Er übt sich in Selbstkritik – zumindest ein bisschen.

          Am Wochenende ging es plötzlich ganz schnell, als erst der CSU-Europapolitiker Manfred Weber darauf verzichtete, sich um den Parteivorsitz zu bewerben, und dann Markus Söder seine Bereitschaft erklärte, sich „in den Dienst der Partei zu stellen“. Doch vieles deutet darauf hin, dass der bayerische Ministerpräsident diesen Schritt, nach dem es ihn zunächst tatsächlich nicht gedrängt hatte, in den jüngsten Wochen wohl vorbereitet hat.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Es wirkte sehr gut orchestriert, wie sich von Freitag an ein Parteiprominenter nach dem anderen dafür aussprach, Söder möge doch nun, da Horst Seehofer seinen Rücktritt für den 19. Januar angekündigt hatte, als Nachfolger kandidieren. Auch auf seiner ersten Pressekonferenz als offizieller Bewerber machte Söder am Montag einen gut sortierten Eindruck.

          „Stabilität und Erneuerung“

          Das Motto, unter das er seine Amtszeit stellen möchte, hatte schon CSU-Generalsekretär Markus Blume vergangene Woche an die frische Luft gesetzt – „Stabilität und Erneuerung“ – ein Hinweis darauf, dass die beiden auch schon vor Söders Gang an die Öffentlichkeit im engen Austausch über die Zukunft der Partei waren. Mit Blume, so Söder, wolle er „sehr gerne“ weiterarbeiten, er halte „sehr viel“ von ihm.

          Söder will die CSU wieder „klar im Zentrum“, als „bürgerliche Partei“ positionieren. Die CSU müsse dafür ihre „Basis deutlich verbreitern“, eine „neue Offenheit“ entwickeln. Sie müsse weiblicher und jünger werden, sich stärker um die Ballungsräume kümmern, zugänglicher sein für Menschen, die nicht aus Bayern kommen, sondern aus dem Rest von Deutschland und dem Ausland.

          Die CSU müsse wieder „verstärkt ein Lebensgefühl entwickeln“, das Söder mit „heimatnah und weltoffen zugleich und vor allen Dingen deutlich optimistischer“ beschrieb. Er will die Parteibasis „stärker mitnehmen“, Neumitgliedern die Möglichkeit geben, sich schneller einzubringen, und Foren schaffen, in denen ehemalige Mandatsträger ihr Wissen einspeisen können. Außerdem will er ein „konstruktives Miteinander im Regieren“ erreichen, das gelte vor allem im Umgang mit der CDU, mit der man sich als „politische Familie“ begreifen müsse.

          Es war erkennbar, dass Söder versuchte, selbst ein gutes Vorbild abzugeben. Alle drei Bewerber um den CDU-Vorsitz nannte er „großartige Persönlichkeiten“, mit allen stehe er in „gutem Kontakt“, mit allen könne er „gut zusammenarbeiten“. Für den Fall, dass jemand glauben mochte, er favorisiere womöglich Friedrich Merz oder Jens Spahn, lobte er die jüngsten „deutlichen Sätze“ von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Asylpolitik, die „fast schon CSU-Parteiprogramm sind“.

          Keine One-Man-Shows mehr

          Mehrfach ließ Söder auch Selbstkritik aufblitzen. Er habe in den vergangenen Monaten erst seinen „Rhythmus“ finden müssen. Eine „One-Man-Show“, wie er sie im Wahlkampf nach Wahrnehmung vieler abgezogen hatte, werde es künftig nicht mehr geben. Solche Shows seien „out“, sagte Söder, zu alter Stärke werde man „nur im Team“ zurückkehren.

          Er, der bisher im Ruf stand, für ein schönes Foto fast alles zu machen, sagte, jetzt seien „nicht in erster Linie mediale Aktionen“ vonnöten, sondern „manches an Seelenarbeit, um vieles miteinander zu versöhnen“. Das sei „auch eine Form von persönlicher Reifeleistung“, die er da erbringen müsse.

          Nachdem Söder im Sommer Zweifel an seiner inneren Verbundenheit zu Europa gesät hatte, lieferte er nun ein klares Bekenntnis dazu ab. Anders als in früheren Wahlkämpfen, als die CSU versuchte, europaskeptisch und proeuropäisch zugleich aufzutreten, müsse es nun eine „einheitliche Linie“ geben, der bevorstehende Europawahlkampf müsse „grundlegend optimistisch“ sein. Die „komplette strategische Ausrichtung“ werde beim Spitzenkandidaten Manfred Weber liegen, man werde aber „alles tun, um ihm den Rücken zu stärken“.

          Und was ist mit Seehofer in Berlin? Söder ließ erkennen, dass er in dieser Frage die beiden Pole Stabilität und Erneuerung momentan zugunsten des Ersteren gewichtet. In Berlin brauche es „Kontinuität“ – „auch personell“.

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