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Bayerns Gesundheitsministerin : Sie ist das Gegenmodell zu Söder

  • -Aktualisiert am

Melanie Huml (CSU), Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Bild: dpa

Melanie Huml eckt ungern an. Sie hat deshalb wenig Feinde – aber auch kaum Fürsprecher. Mit dem Corona-Ausbruch in Niederbayern hat sie die Chance zu zeigen, dass sie mehr kann, als Statistin neben Söder zu sein.

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          Als Lebensmotto hat die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml ein anscheinend „afrikanisches Sprichwort“ gewählt, das einerseits sympathisch ist, andererseits aber mehr über sie verrät, als ihr womöglich recht sein dürfte: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Das klingt nicht nach jemandem, der zum Sprung oder gar zum großen Wurf in der Lage wäre.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Dabei hat Huml, 44 Jahre alt, eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. 1975 in eine politische, katholische Familie hineingeboren, trat sie 1993 der Jungen Union bei. Sie studierte Medizin, ist seit 2004 approbierte Ärztin, was in Corona-Zeiten jedenfalls kein Nachteil sein dürfte. Pionierarbeit leistete sie, als sie während ihrer Zeit im bayerischen Kabinett zwei Söhne zur Welt brachte.

          Dass sie es überhaupt so weit brachte, verdankt sie zum einen dem früheren Ministerpräsidenten Günther Beckstein, der sie 2007 zur Staatssekretärin im Sozialministerium machte. Sie verdankt es aber auch dem Umstand, dass sie eine junge Politikerin aus dem Regierungsbezirk Oberfranken ist – eine Kombination, die in der CSU vergleichsweise rar und aus Proporzgründen nachgefragt ist.

          Geholfen hat der gebürtigen Bambergerin auch, was ihr allerdings für eine noch erfolgreichere Karriere hinderlich sein dürfte: Huml eckt kaum irgendwo an, sie wagt sich mit keinem eigenen Projekt nach vorne, und von ihren Auftritten bleibt eher die Erinnerung an ihr rollendes R als Inhalt oder etwaige Emphase. Die Folge: Sie hat in der Partei wenig Feinde; so ist sie bis in den stellvertretenden Parteivorsitz gerutscht. Sie hat aber auch keine wirklichen Fürsprecher.

          Damit ist sie in vielerlei Hinsicht das Gegenmodell zu ihrem Chef, Markus Söder. Unter dem Ministerpräsidenten Horst Seehofer wirkten sie einst schon einmal in dieser Konstellation: Söder als Umwelt- und Gesundheitsminister, sie als seine Staatssekretärin. Es gibt unterschiedliche Darstellungen über diese Zeit. Die einen heben hervor, Söder habe die schwierigen Kämpfe durchgefochten, die anderen, Söder habe alle tollen Termine für sich beansprucht. In einem Punkt treffen sich die Schilderungen: Huml war neben ihm Statistin.

          In der Corona-Krise hat sich daran nicht viel geändert. Das liegt an Söder, aber auch an Huml. Zeitweise hat Söder ihr einen Staatssekretär zur Seite oder, je nach Sicht, auf die Füße gestellt, um ihr etwas unter die Arme zu greifen. Er hat auch einen neuen Amtschef im Gesundheitsministerium installiert, der dem Vernehmen nach so auftritt, als sei er selbst der Minister. Huml hat nun, da es einen neuen größeren Corona-Ausbruch in Niederbayern gibt, abermals Gelegenheit, sich hervorzutun. Dass sie am Montag bei der Pressekonferenz Söder einmal ins Wort fiel, mag ein erster Schritt sein.

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