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Bayern : Wo bleibt der Wählerkontakt?

  • -Aktualisiert am

Im unermüdlichen Einsatz um „Wählerkontakt“ bricht er Kilometerrekorde. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat auf "Maget-gewinnt-Tour".

          5 Min.

          "Fahren wir jetzt nach Dingolfing?", will Franz Maget von einem Mitarbeiter wissen, als der Bus losfährt. Niemand kann dem Spitzenkandidaten der bayerischen SPD verübeln, daß er sich nicht immer ganz sicher ist, wohin sein Weg gerade führt; jede Erkundigung bei ihm, wo er in den vergangenen Tagen und Wochen gewesen ist, verbietet ohnehin das Taktgefühl.

          Maget eilt seit mehr als einem Monat von früh bis spät durch Bayern, vom Allgäu nach Franken, vom Bayerischen Wald bis zum Bodensee - immer auf der Suche nach einer im Freistaat eher seltenen Spezies: SPD-Wählern. Mehr als zwanzigtausend Kilometer hat er seit dem Beginn der "Maget-gewinnt-Tour" am 14. Juli auf bayerischen Straßen zurückgelegt; mehr als vierhundert Termine will er bis zur Landtagswahl am 21. September absolvieren.

          "Bist narrisch?"

          Möglichst viele persönliche Begegnungen des Spitzenmanns mit Wählern, lautet eine Devise des SPD-Wahlkampfs in Bayern. Ob er denn noch bei Sinnen sei, soll Maget einen Mitarbeiter gefragt haben, als er zum ersten Mal seinen monumentalen Terminkalender sah: "Bist narrisch?" Aber Maget hat sich gefügt; nur eine kleine Verschnaufpause von vier Tagen wird ihm gegönnt. Und der 49 Jahre alte Politiker beweist Ausdauer, von kleineren Orientierungsschwächen abgesehen: seine notorisch gute Laune, für die er bekannt ist, läßt ihn auch auf der Fahrt nach Dingolfing nicht im Stich.

          Zumal er vorher einen Programmpunkt absolvieren darf, der ihm zumindest für einen Augenblick das Gefühl geben könnte, die Wahl sei schon vorbei - und ein gütige Fee habe ihn in das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten gezaubert. Er kann am neuen Terminal 2 des Münchner Flughafens Bundeswirtschaftsminister Clement begrüßen - mit angemessener medialer Begleitung. Der SPD-Politiker Clement ist an diesem Tag aus Berlin als Wahlhelfer nach Bayern gekommen und absolviert mit stoischer Miene einen Rundgang durch die neueste Errungenschaft des zivilen Luftverkehrs in Deutschland.

          Für kurze Zeit vom Los des Wahlkämfers befreit

          Maget darf es genießen, an der Seite durch das Abfertigungs- und Wartegebäude zu marschieren, mit Kameraleuten, die hektisch vorauseilen, und mit Reisenden, die neugierig schauen, welche illustren Persönlichkeiten da unterwegs sind. Und Maget ist dank Clement für kurze Zeit vom Los des Wahlkämpfers befreit, auch dann noch reden zu müssen, wenn ihm längst zum Schweigen zumute ist; er darf sich angesichts des computergestützten Systems, mit dem das Passagiergepäck am Terminal 2 transportiert wird, mit staatsmännisch knappen Kommentierungen begnügen: "Beeindruckende Geschichte."

          Wo bleibt der Wählerkontakt?

          Doch wo bleibt der "Wählerkontakt"? wie seine Mitstreiter das Manna eines jeden Wahlkämpfers nennen. Wer gerade am Terminal 2 aus seiner fernöstlichen Heimat angekommen ist und den Anschlußflug nicht verpassen will, wird wenig Lust verspüren, den für ihn exotischen Reiz der Buchstabenfolge "Maget" auszukosten, wo doch schon die Kombination "Take away - Leberkässemmel" ungeahnte Herausforderungen birgt. Ganz zu schweigen davon, daß Inhaber eines japanischen Passes immer noch nicht wahlberechtigt in Bayern sind, obwohl Innenminister Beckstein sich mitunter weltläufig-freizügig gibt.

          Doch der Wahlkämpfer Maget muß an diesem Tag nicht verzweifeln - bei dem Modell des Transrapid, der den Flughafen mit der Münchner Innenstadt verbinden soll, trifft er auf ältere Damen und Herren aus Unterschleißheim, die den Flughafen besichtigen - und die sich freuen, daß ihnen ein leibhaftiger Politiker nach der Frage, wo sie denn herkommen, ein "Also, servus" zuruft.

          Neue Rekorde was Kilometer und Termine betrifft

          Die so herzlich Verabschiedeten lassen dann zwar noch den journalistischen Begleittroß wissen, daß sie den Maget nett fänden, den Stoiber aber wählen wollten - doch da ist der Spitzenkandidat schon auf dem Weg zum Bus, der ihn nach nach Dingolfing bringen soll. Der Bus, ein komfortables Gefährt mit besonders breiten Sitzen und Besprechungsecke, hat schon Größen wie Freddy Quinn und Helmut Kohl gute Dienste geleistet; nun soll er dem Wahlkämpfer Maget zu neuen Rekorden verhelfen - was die zurückgelegten Kilometer und absolvierten Termine betrifft.

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