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Landtagswahl : Susanne Seehofer ist die neue Hoffnungsträgerin der FDP in Bayern

  • -Aktualisiert am

Susanne Seehofer spricht bei der Vorstellung der Direktkandidaten der FDP München-Mitte für die Landtagswahl in Bayern 2023 im Paulaner Bräuhaus in München. Bild: dpa

Erfolgreich im Beruf, junge Mutter und Tochter eines ehemaligen Ministerpräsidenten: Susanne Seehofer will für die FDP in den bayerischen Landtag – und sucht gezielt den Kampf mit der Söder-CSU.

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          Am Sonntagabend hat ein eher marginales Ereignis in München große Aufmerksamkeit erregt. Eine junge Mutter, 31 Jahre alt, setzte sich in einer FDP-internen Abstimmung im ersten Wahlgang klar gegen drei Kandidaten durch und wird nun im umkämpften Stimmkreis München-Mitte, in dem etwa der Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann antritt, für die Freien Demokraten in die Landtagswahl ziehen. Der Name der Frau: Susanne Seehofer. Sie ist die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Für die bayerische FDP könnte die Nominierung zum Coup werden – manche in der CSU sind schon neidisch. Obwohl die FDP mit Martin Hagen einen engagierten und redegewandten Vorsitzenden hat, tut sie sich schwer, in der Volksfestbeschallung durch die Regierungshäuptlinge Markus Söder und Hubert Aiwanger durchzudringen. Vor der Landtagswahl 2018 ist ihr das dann doch mit der einen oder anderen interessanten Personalie gelungen, zuvorderst mit der Aufstellung von Helmut Markwort, dem Gründer der Zeitschrift „Focus“.

          Doch während, bei allem Respekt, die allerbeste Zeit von Markwort schon vorbei sein dürfte, liegt die von Susanne Seehofer womöglich noch vor ihr. Aus Sicht von Parteistrategen hat das mehrere Gründe: Sie garantiert, wie auch dieser Artikel zeigt, mediale Aufmerksamkeit. Sie ist eine Frau, was der bisher männerdominierten FDP-Landtagsfraktion nicht schaden kann. Außerdem beherrscht sie die Sprache der Leute, Bairisch zumal. In ihrem Landesverband ist auch das nicht selbstverständlich.

          Seehofer setzt auf den Markt

          Seehofer, verheiratet mit einem Unternehmer, ist eine Liberale, auch wirtschaftspolitisch, aber allein ihre Verbindung zum „Herz-Jesu-Sozialisten“ Horst Seehofer könnte, so die Hoffnung, soziale Wärme abstrahlen. Sie steht zudem für das in der FDP nicht gerade überbelichtete Thema Nachhaltigkeit.

          Die studierte Betriebswirtin mit internationaler Berufserfahrung (Peking, Kalifornien, Mexiko) arbeitet bei BMW als Referentin für Nachhaltigkeit. Grün ist sie deshalb noch lange nicht: Sie will keine autofreien Innenstädte, hält die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München für unerlässlich und ist für „Technologieoffenheit“ bei der Motorenentwicklung. „Noch kein Verbot dieser Welt hat Innovation vorangebracht“, behauptet sie.

          FDP-Chef Hagen sagt anerkennend, Seehofer habe sich die Kandidatur „nicht auf dem Silbertablett“ servieren lassen, sondern sei, FDP-typisch, in den Wettbewerb gegangen. Dass sich die in Schwabing lebende Frau nicht außerhalb Münchens ohne Konkurrenz bewarb, hat zwar auch mit ihrer zweijährigen Tochter zu tun (Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihr wichtig), aber es zeigt doch, dass sie, die erst im April 2021 in die FDP eingetreten ist, die Auseinandersetzung nicht scheut.

          Keine Rache an Söder?

          Das kennt sie von zuhause, wo sie, wie sie der F.A.Z. anvertraute, nicht immer einer Meinung mit dem Vater gewesen sei. Abschreckend habe sein Beispiel aber keineswegs gewirkt. Vielmehr habe sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und wisse dank seiner, worauf sie sich einlasse.

          In ihrer Bewerbungsrede grenzte sich Seehofer, die der einstige CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer unter Einsatz seines berühmten Charmes erfolglos für die Partei des Vaters zu gewinnen suchte, scharf von den Christlich-Sozialen ab. Ihnen und den Freien Wählern „dürfen wir Bayern nicht überlassen“, rief sie und kritisierte den „Populismus“ der Söder-CSU.

          Rächt hier die Tochter den Vater, der von Söder unsanft aus dem Amt gedrängt wurde? „Von so etwas bin ich total frei.“ Viel lieber als über Markus Söder rede sie „über unsere progressiven Inhalte“.

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