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Bayern : Strauß-Gruft gerettet - Pfändung aufgehoben

  • -Aktualisiert am

Die Strauß-Kinder in der Gruft ihrer Eltern auf dem Friedhof in Rott am Inn Bild: dpa/dpaweb

Wegen möglicher Steuerschulden von Max Strauß hatte die bayerische Finanzverwaltung die Familiengruft des früheren bayerischen Ministerpräsidenten gepfändet. Für Edmund Stoiber war dies schlicht „pietätslos“.

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          Der Name Strauß hat in Bayern immer noch einen besonderen Klang. Eine Nachricht bewegte deshalb am Mittwoch im Freistaat die Gemüter vom Bodensee bis zum Bayerischen Wald: Die Finanzbehörden entfernten nach einem Proteststurm das Pfandsiegel von der Gruft, in der Franz Josef Strauß und seine Frau Marianne ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es ging um die Pfändung eines Miteigentumsanteils, den Max Strauß, der Sohn des verstorbenen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, an der Gruft innehat.

          Max Strauß wird seit September vergangenen Jahres stationär in einer Nervenklinik behandelt. Er muß sich wegen der Vorwürfe, er habe Provisionen von dem Geschäftsmann Schreiber den Finanzbehörden verschwiegen, nicht nur strafrechtlich verantworten. Der Fiskus hat auch rigoros Zugriff auf seine Vermögenswerte genommen, um Steuerschulden einzutreiben, die aus den Zahlungen Schreibers resultieren sollen. Dabei war zunächst nicht nur das Münchner Wohnhaus des früheren Rechtsanwalts, sondern auch sein Miteigentumsanteil an der Gruft gepfändet worden.

          Franz Josef Strauß war nach seinem Tod im Jahr 1988 in der Gruft in Rott am Inn beigesetzt worden. Seine Frau Marianne stammte aus dem kleinen Ort, der auf halbem Weg zwischen Rosenheim und Wasserburg am Inn liegt. Ihr Vater Max Zwicknagel, ein vermögender Guts- und Brauereibesitzer, war ein Gründungsmitglied der CSU. Ihrer Familie gehörte die Gruft seit alters; nach ihrem tödlichen Verkehrsunfall im Jahr 1984 wurde sie dort beerdigt

          Franz Josef Strauß mit seiner Ehefrau Marianne im Oktober 1977

          Flurnummer 76 im Rotter Grundbuch

          Die Gruft liegt am unteren Eingang zum alten Teil des Rotter Friedhofs. Anders als die meisten Gräber in Deutschland steht die Gruft nicht im Eigentum einer Kirchengemeinde oder Kommune, sondern ist im Grundbuch auf Max Strauß und eine Tante eingetragen; sein Bruder Franz Georg Strauß und seine Schwester Monika Hohlmeier, die bayerische Kultusministerin, haben Max nach dem Tod des Vaters ihre Anteile an der Gruft überlassen. Ob die Finanzbehörden wußten, was sich hinter der Flurnummer 76 des Rotter Grundbuchs verbarg, als sie das Vermögen von Max Strauß ins Visier nahmen, wird sich in den nächsten Wochen erweisen.

          Denn das Pfandsiegel am Grab eines Gründungsvaters des modernen Bayern dürfte auch nach seiner Entfernung noch einige politische Turbulenzen verursachen. Landtagspräsident Glück, Vorsitzender des CSU-Bezirks Oberbayern, geißelte die Pfändung als instinktlos und unerträglich. Und der ehemalige bayerische Justizminister Sauter begehrte in einer Anfrage an die Staatsregierung Auskunft, ob sie von der Pfändung informiert gewesen sei. Sauter kann nicht unbedingt zum Freundeskreis des Ministerpräsidenten Stoiber gerechnet werden, der ihn einst recht unsanft aus dem Kabinett entfernte.

          Stoiber: „Pietätlos“

          Stoiber, der bereits vor einigen Wochen in einem persönlichen Gespräch von Strauß-Tochter Monika Hohlmeier erfahren hatte, daß das Grab ihrer Eltern gepfändet werden solle, sah am Mittwoch jedenfalls Gefahr im Verzug und nannte die Pfändung pietätlos; wenig später folgte die Aufhebung durch das zuständige Finanzamt. Sein Finanzminister Faltlhauser hatte zuvor mit markigen Worten an die Spitze den Weg zur Rettung der Gruft bereitet.

          Die Finanzverwaltung beabsichtige nicht, „in die Grabstelle von Franz Josef Strauß zu vollstrecken", verkündete Faltlhauser: „Das wäre nicht nur unsinnig, sondern unstatthaft, ja peinlich." Faltlhauser wird es dennoch nicht erspart bleiben, zu erforschen, warum seine Beamten nicht ein wenig früher über die Grenzziehung zwischen Unsinnigem, Unstatthaftem und Peinlichem nachgedacht haben. Der Pfändungsbeschluß war im vergangenen Jahr ergangen; danach war genügend Zeit, sich mit den Besonderheiten der Rotter Flurnummer 76 vertraut zu machen.

          Feinsinnige Gemüter kommen allerdings auch ins Grübeln, warum just zum Prozeßbeginn gegen Max Strauß die Pfändung der Familiengruft bekanntgeworden war. Unversehens sei der Angeklagte, dem bislang wenig Sympathien in der Bevölkerung entgegengebracht worden seien, damit in eine tragische Dimension gerückt worden - als ein Mann, der nicht nur um seine Freiheit und Ehre, sondern auch um das elterliche Grab kämpfen müsse.

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