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Bayern steht Kopf : Aus, Äpfe, Amen?

  • -Aktualisiert am

Januar 2012: Da kannte der Seehofer Horst (rechts) den Hoeneß Uli noch Bild: dpa

In Bayern geht es drunter und drüber: Die CSU entdeckt die Korrektheit - und der Seehofer Horst mag den Hoeneß Uli nicht mehr kennen.

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          Was ist in Bayern los? Eigentlich scheint im Süden der Republik alles wie immer zu sein. Der FC Bayern schießt ein Tor nach dem anderen. Die CSU kann sich an Umfragen erfreuen, die ihr bei der Landtagswahl eine absolute Mehrheit prophezeien. Und der Maibock ist süffig, und die Madln und die Buam ...

          Aber Pfeifendeckel, wie es im Landesidiom heißt! Nichts ist wie immer! Die Staatsanwaltschaft stellt dem Hoeneß Uli, dem Gottvater des FC Bayern, sein Häusl am Tegernsee auf den Kopf, hält ihm ein Papierl mit dem hässlichen Wort „Haftbefehl“ vor die Nase - und lässt ihn nur gegen einen stattlichen Batzen Geld laufen, mit dem man die VIP-Logen in der Münchner Allianz Arena endlich mit Blattgold veredeln könnte. Und bei der CSU muss der Schmid Georg sein Büro als Fraktionsvorsitzender im Landtag für die Stewens Christa räumen, nur weil er dafür gesorgt hat, dass seine Frau ihm nicht auf der Tasche gelegen ist, sondern ihr eigenes Geld aus der Staatskasse erhalten hat.

          „Schüttel-Schorsch“ wurde Schmid in den guten alten CSU-Zeiten tituliert, weil sich nur spurtstarke Wähler seinem Händedruck entziehen konnten. Jetzt wird dem Schüttel-Schorsch vorgehalten, den Staatssäckel geschüttelt zu haben - nur weil ihm seine Frau mit einem kleinen Bürounternehmen, das aus Mitteln des Landtags bezahlt wurde, beim Aufspüren noch ungeschüttelter Wähler geholfen hat. Und der Maibock wird im Hofbräuhaus in Maßkrügen serviert, die ausschauen, als hätten sie die Schwindsucht!

          „Mir san de Mehrern, mir san de Schwerern“

          „Wo samma denn!“, müsste längst aus Hunderttausenden bayerischen Kehlen entrüstet erschallen. Wo sind sie geblieben, die Zeiten, in denen ein Fußballprofi von einem bayerischen Finanzminister schon einmal vertraulich gefragt wurde, ob er denn nicht wisse, wo die Schweiz liege: „Wenn was ist, nur melden.“ Wo sind die Zeiten geblieben, in denen ein CSU-Vorsitzender einem innerparteilichen Stoßtrupp, der ein wenig zupackend Mehrheiten organisiert hatte, das weiß-blaue Adelsprädikat verliehen haben soll: „Hund seids scho!“ Das Zitat wurde selbstverständlich dementiert, was die allgemeine Gaudi noch steigerte.

          Wo sind die Zeiten geblieben, in denen in Bayern nach eigenen Regeln gespielt wurde? Für den Fußball und die Politik galt dort gleichermaßen, dass viele kleine und große Fouls möglich sind, solange man sich nicht vom Schiri erwischen lässt. Ja, dass ohne eine gewisse Robustheit auf dem Platz der Ball einfach nicht ins Tor will - und Wahlergebnisse eher kümmerlich ausfallen. Im Fußball und in der Politik war es in Bayern hilfreich, „Mir san de Mehrern, mir san de Schwerern“ so laut zu intonieren, bis es auch eingefleischte Agnostiker glaubten. Nicht von ungefähr war Edmund Stoiber, jetzt Ehrenvorsitzender der CSU und Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des FC Bayern, ein Virtuose im Proklamieren weiß-blauer Grandezza - im Fußballstadion und in der politischen Arena.

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