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Engpass an Grundschulen : Lehre mit Mängeln

  • -Aktualisiert am

Markus Söder während der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion Bild: dpa

Bayern hat zu wenige Grundschullehrer. Die Staatsregierung versucht, daran mit einer Mischung aus Zwang und Anreiz etwas zu ändern. Viele Lehrer sind empört.

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          An bayerischen Grund-, Mittel- und Förderschulen fehlen 1400 Vollzeitstellen für das kommende Schuljahr. Besonders hoch ist der Bedarf an den Grundschulen. Auf Quereinsteiger möchte die Staatsregierung nicht zurückgreifen, Unterrichtsausfall will sie aber auch nicht riskieren. Sie sieht sich deshalb gezwungen, bei den bereits aktiven Grundschullehrern „auf einen Mix aus verpflichtenden und freiwilligen Maßnahmen“ zu setzen. Die Mindestzahl an Wochenstunden für Teilzeit soll künftig 24 statt bisher 21 betragen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          „Sabbatjahre“ sollen bis auf Weiteres nicht mehr genehmigt, ein vorzeitiger Ruhestand soll in der Regel erst vom vollendeten 65. Lebensjahr an gewährt werden. Außerdem wird ein „Arbeitszeitkonto“ eingeführt. In der „Ansparphase“ wird die Unterrichtspflichtzeit vorübergehend um eine Stunde erhöht – nicht gleich bei allen Lehrern auf einmal, sondern nach Altersgruppen gestaffelt und nur bei denen, die jünger als 58 Jahre sind. Es wird garantiert, dass die Mehrarbeit in der „Rückgabephase“ durch eine Verringerung der Unterrichtspflichtzeit ausgeglichen wird.

          Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern appellierte an die Lehrer, durch eine Erhöhung des Teilzeitmaßes oder durch Aufschieben des Ruhestands auch freiwillig zur Entspannung an der Unterrichtsfront beizutragen. Die Kritik war beträchtlich. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), sagte: „Seit Jahren weisen wir immer wieder auf die personelle Unterversorgung an den Schulen hin und haben auch viele Vorschläge zur Bekämpfung gemacht – dass nun die Lehrkräfte dafür büßen sollen, akzeptieren wir nicht.“ Sie sagte dieser Zeitung, die Unterrichtsversorgung könne bisher nur aufrechterhalten werden, „weil wir uns alle Haxn ausreißen“. Es sei unerträglich, dass es ausgerechnet die Grundschullehrer treffe. „Sie haben bereits jetzt schon die höchste Unterrichtsverpflichtung und werden dafür auch noch schlechter bezahlt als andere Lehrkräfte.“

          Piazolo dürfte gewusst haben, dass der Schritt Ungemach bringen würde. Er wies darauf hin, dass 700 zusätzliche Studienplätze fürs Lehramt Grundschule geschaffen wurden. Alle verpflichtenden Maßnahmen hätten im Übrigen vorübergehenden Charakter und sollten zurückgenommen werden. Er musste für etwas den Kopf hinhalten, was er nur sehr bedingt zu verantworten hat.

          Er und seine Freien Wähler sind erst seit gut einem Jahr an der Regierung. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte man die Zwangsmaßnahmen abgefedert, indem man die Grundschullehrer auf die Besoldungsstufe A13 gehoben hätte – so, wie es auch der BLLV verlangt. Die CSU war dagegen. Wie der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder auf der Klausur der Landtagsfraktion in Seeon sagte, gab es dafür finanzielle Gründe – außerdem hätte eine Anhebung „innerhalb der Beamtenschaft zu erheblichen Diskussionen geführt“, sprich: Begehrlichkeiten etwa bei den Gymnasiallehrern hervorrufen können. Man einigte sich in der Staatsregierung, dass man im Nachtragshaushalt Geld bereitstellt für 2000 Beförderungen von Grundschullehrern in die nächsthöhere Besoldungsstufe.

          Söder kam nicht mit leeren Händen nach Seeon. Es würden weitere 300 Studienplätze fürs Grundschullehramt geschaffen, insgesamt also 1000. Damit würde auch „die absurde Situation“ beendet, dass es trotz Grundschullehrermangel einen Numerus clausus gebe. Der entfalle. Das findet auch der BLLV richtig. Versäumnisse bei früheren Staatsregierungen wollte Söder nicht erkennen. Man könne sich höchstens fragen, wie treffsicher die Bedarfsprognosen seien. Der Bedarf liege am enormen Zuzug nach Bayern – infolge von dessen Attraktivität und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

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