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Bayern-Wahl und die Folgen : Bayern am Ende des Regenbogens

Ein bisschen freundlicher Applaus: Söder kommentiert das Wahlergebnis der CSU. Bild: Jan Roeder

Die bayerische Politik war immer besonders – und so wird es auch bleiben. Wenn auch anders, als es den Protagonisten recht sein kann.

          Was sich am Sonntag im Bayerischen Landtag abspielt, bestätigt in gewisser Weise, was die CSU und ihr Ministerpräsident Markus Söder im Wahlkampf landauf, landab erzählt haben: Bayern ist einzigartig, Bayern ist wichtig, die ganze Welt schaut auf uns. Mehr als 1000 Journalisten haben sich für diesen mutmaßlich historischen Wahlabend akkreditiert, selbst aus Japan sind sie gekommen, um – ja was eigentlich zu erleben? Ein schwedischer Europa-Korrespondent gab schon während der Woche einen Hinweis: Von anderen Landtagswahlen in Deutschland berichte er natürlich nicht – aber hier gehe es ja um die Partei die im Sommer die ganze EU in Aufruhr versetzt habe mit ihren Forderungen in der Asylpolitik. Wenn die CSU falle, könne das Auswirkungen auf Berlin, auch auf Brüssel haben.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Als um 18 Uhr die ersten Prognosen kommen, ist im Fraktionssaal der CSU nicht gleich klar, wie groß die Auswirkungen tatsächlich sein werden, auf Europa, auf Deutschland, vor allem aber auf die eigene Partei. Infratest dimap sieht die CSU bei 37,3 Prozent, die Grünen bei 18,5, die AfD bei elf, die SPD unter zehn, die Freien Wähler bei 11,5 die FDP mit fünf Prozent vermutlich im Landtag, die Linke mit 3,5 Prozent klar draußen. Nach diesen Zahlen würde es für die CSU für eine Koalition mit den Freien Wählern reichen.

          „Karawane zieht weiter, reicht nicht“

          Weil die anwesenden Gäste nicht recht wissen, was jetzt das richtige Klatschverhalten wäre, klatschen sie einfach bei dem am Ende doch enttäuschenden Ergebnis für die Linkspartei, damit macht man sicher nichts falsch. Ein Kabinettsmitglied wird gefragt, ob man das Ergebnis für die CSU als „glimpflich“ bezeichnen könne. Antwort: „Das ist nicht mehr glimpflich.“ Der ehemalige CSU-Minister Thomas Goppel, der dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer seit Langem kritisch gegenüber steht, sagt: „Karawane zieht weiter, reicht nicht.“

          Vom Vorsitzenden der Jungen Union in Bayern, Hans Reichart, wollen Journalisten wissen, ob noch „was kommt“ von seinen Leuten, die vor einem Jahr mit dafür gesorgt hat, dass sich Markus Söder im Machtkampf um die Staatskanzlei gegen Horst Seehofer durchsetzen konnte. „Er sagt: „Heute nicht, heute bleiben wir brav.“ Und fügt später gegenüber dieser Zeitung hinzu: „Wir müssen jetzt sehr, sehr schnell in einen Prozess reingehen, wo man sagt, was ist strukturell falsch, was ist inhaltlich falsch, dass man am Ende sagt, da stellen wir uns anders auf.“ Die Frage nach personellen Konsequenzen beantworte er so: „Das steht ganz am Ende.“ Landtagspräsidentin Barbara Stamm sagt zum Ergebnis: „Für Herrn Söder jedenfalls hat da gar nichts zu bedeuten weil Herr Söder der Ministerpräsident von Bayern bleiben wird.“

          Keine Zweifel an Söder

          Dann kommt Söder. Wie oft ist ihm vorgeworfen worden, er sei zu wenig Überzeugungstäter, zu sehr Machtpolitiker. In diesen Minuten kommt es aber genau auf diese Qualität an. Der Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer, der schon vor der Wahl Söder seiner absoluten Unterstützung versichert haben soll, hat gerade im Fernsehen den Ton vorgegeben: Es gebe „überhaupt keinen Zweifel“, dass die Fraktion Markus Söder zum Ministerpräsidenten vorschlagen werde.

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