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Bayern-Wahl und die Folgen : Bayern am Ende des Regenbogens

Bei der SPD soll alles auf den Prüfstand

Bei der bayerischen SPD geht es am Wahlabend nicht um die Frage, ab wann man von einem Erfolg sprechen könnte, sondern darum, was lediglich ein Misserfolg wäre – und was ein Desaster. Schon am Nachmittag ist beim Durchsickern der ersten Zahlen klar, dass es Variante zwei werden würde. Im Fraktionssaal im Landtag sind daher alle entsprechend vorbereitet, als erste Hochrechnungen verkündet werden. Der langjährige Münchener Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat bei der Wahl 2013, Christian Ude, sprach vielsagend davon, dass es nun um den Aufbau einer Sozialdemokratischen Partei in Bayern gehe.

Andere, wie der Bundestagsabgeordnete Florian Post wurde deutlicher: „Alle und alles muss auf den Prüfstand“, sagte Post. Wer mit alle gemeint war, bedurfte da keiner weiteren Erklärung. Andere lieferten sie mit dem Hinweis, dass der auf Moral und Haltung getrimmte Wahlkampf der Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden Natascha Kohnen rein gar nicht gezündet habe. „Anstand und Respekt hat man, aber damit gewinnt man keine Wahl.“

Als Kohnen selbst um 18.25 Uhr in Begleitung des Münchener Oberbürgermeisters Dieter Reiter in den Fraktionssaal im Landtag kommt, ist zumindest ein kurzer Ruf „Du bist nicht Schuld“ zu hören. Kohnen spricht von „einer echt schweren Stunde“, „das tut weh, unglaublich weh“ – und schwärmt dann trotz allem von dem „unglaublich kraftvollen“ Wahlkampf, den die Partei geführt habe. Die Skepsis, die die Menschen gegenüber der Sozialdemokratie inzwischen hätten, könne man nur mit einer „ganz klaren Haltung“ begegnen. Einigen im Saal fällt es da sichtlich schwer, ihre Wut hinunterzuschlucken. Immerhin sagt Kohnen, habe sie schon im Landesvorstand deutlich gemacht, dass „über alles“ geredet werden müsse.

Große Enttäuschung: Die Spitzenkandidatin der bayerischen SPD Natascha Kohnen

Freie Wähler mobilisierten in Hochburgen

Die Freien Wähler waren schon vor der Wahl sehr zuversichtlich. In den Umfragen lagen sie stabil bei zehn bis elf Prozent. Der Parteivorsitzende Hubert Aiwanger machte keinerlei Geheimnis daraus, dass er seine Partei in die Regierung führen wolle, und zwar an der Seite der CSU. Die Abschlusskundgebung am Samstag in München, bei der Aiwanger unter anderem auf die Unabhängigkeit der Freien Wähler, zum Beispiel von Konzernspenden, aufmerksam gemacht hatte, wurde vom Publikum zwar nicht gerade ekstatisch begleitet, aber München ist für die Freien Wähler auch nicht das Entscheidende, sie müssen versuchen, ihre Wähler in ihren ländlichen Hochburgen zu mobilisieren. Das hat offenbar geklappt.

Bei gut elf Prozent liegen seine Freien Wähler in den ersten Prognosen. „Also ich warte auf den Anruf“, sagt Aiwanger genüsslich und fügt dann spitz hinzu: „Ich habe immer gesagt, ich gehe nicht auf die CSU zu.“ Er werde sowieso „niemanden anrufen“. Vielleicht wird er demnächst auch mit der FDP reden. Das hofft die jedenfalls noch am Abend. Einer ihrer führenden Politiker kommentiert die Zitterpartie mit den Worten: „Hauptsache, wir kommen rein.“

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